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"Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich" verfilmt Jens Sörings Geschichte
(von Olaf Neumann, Rhein-Neckar-Zeitung, 27.10.2016, Link)
 

Seit 30 Jahren sitzt der Deutsche Jens Söring im US-Bundesstaat Virginia ein. Er wurde wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Doch es gibt begründete Zweifel an seiner Schuld. Nun kommt der Dokumentarfilm "Das Versprechen - Erste Liebe lebenslänglich" ins Kino, der die Hintergründe des Falls rekonstruiert. RNZ-Mitarbeiter Olaf Neumann befragte Jens Söring (50), der im Gefängnis zum Teil preisgekrönte Bücher geschrieben hat. Das Interview fand per E-Mail und auf Englisch statt. Korrespondenz auf Deutsch ist Söring verboten.

Hintergrund

Der Fall Söring: Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Virginia verurteilte den deutschen Diplomatensohn aus Bonn zu zweimal lebenslanger Haft. Gemeinsam mit seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom soll er deren Eltern, den Manager Derek Haysom und dessen Frau Nancy ermordet haben. Der Fall ist so spektakulär, dass ein US-Gericht erstmals vor laufenden Fernsehkameras tagt. Heute ist Jens Söring Häftling 179212 im Buckingham Correctional Center im US-Bundesstaat Virginia.

Geboren 1966 in Bangkok, Thailand, als Sohn eines deutschen Diplomaten, erhält er mit 18 Jahren ein Hochbegabtenstipendium an der University of Virginia, einer der renommiertesten in den USA. Dort verliebt sich der unerfahrene Strebertyp in seine Kommilitonin Elizabeth Haysom. Die 20-Jährige ist exzentrisch, äußerst attraktiv und den Drogen zugetan. Als Elizabeth’ Eltern im März 1985 ermordet werden, fällt der Verdacht auf die angeblich von den Eltern missbrauchte Tochter und deren deutschen Freund.

Das ungleiche Paar flieht nach England, später nach Asien und wird im Juni 1986 in London verhaftet. Söring will Elizabeth durch ein Geständnis vor dem elektrischen Stuhl retten - im festen Glauben, er würde als Diplomatensohn in die Heimat ausgeliefert werden, wo ihm nur die Jugendstrafe droht. Ein fataler Irrtum. Bald darauf widerruft Söring und klagt bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Seiner Auslieferung wird unter der Voraussetzung stattgegeben, dass ihn in den USA nicht die Todesstrafe erwartet. In Virginia wird Jens Söring zu zweimal lebenslänglich verurteilt, Elizabeth Haysom zu 90 Jahren. Der Richter ist ein alter Freund der Opfer.

Heute mehren sich die Anzeichen, dass Jens Söring eventuell nicht der Täter ist. Ein neuer Entlastungszeuge und eine DNA-Analyse haben den Fall wieder ins Gespräch gebracht: Eine Blutspur am Tatort stammt zweifelsfrei von einem anderen Mann.

Herr Söring, es schien, als hätten Sie voriges Jahr jegliche Hoffnung aufgegeben. Haben Sie durch die jüngsten Ereignisse wieder Hoffnung geschöpft?

Ja, natürlich. Aber ich bin ein gebranntes Kind. In den letzten drei Jahrzehnten sah es immer wieder so aus, als würde man mich freilassen, aber meine Hoffnungen wurden jedes Mal auf grausamste Weise zerstört. Im Laufe der Jahrzehnte bin ich zu einem Spielball der Politik geworden.

Was dachten Sie, als Sie die Neuigkeit über die DNA-Analyse erreichte, die besagt, dass eine unbekannte Person am Tatort gewesen sein muss?

Die Neuigkeit über die DNA-Analyse hat mich nicht erreicht - ich war derjenige, der das herausgefunden hat während eines Telefongespräches mit meinen Anwalt. Natürlich war ich sehr aufgeregt, aber ich wusste, diese DNA-Analyse ist bedeutungslos, solange das Department of Forensic Sciences meine Schlussfolgerung nicht bestätigt. Als dies geschah, dachte ich: "Endlich! Nun können sie mir die Gerechtigkeit nicht mehr verweigern." Aber natürlich können sie ...

Wie ist die Idee zum Film "Das Versprechen" entstanden?

Das war komplett Karins Idee. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Regisseure Karin Steinberger und Marcus Vetter völlig unabhängig von mir gehandelt haben. Es ist einzig und allein ihr Film.

Hat das Team neue Zeugen gefunden?

Ja, viele! Vor allem haben sie ein Interview geführt mit dem damaligen Chefermittler Chuck Reid und dem FBI-Agenten, der ein Täter-Profil erstellt hat, nach dem Elizabeth Haysom als mögliche Täterin in Frage kommt. Es wurde 30 Jahre lang zurückgehalten, und der Ermittler Ricky Gardner leugnet noch immer dessen Existenz.

Gab es jemanden, der nicht im Film auftauchen wollte?

Nur Elizabeth.

Hat sich die öffentliche Meinung über Sie geändert?

Ich habe nicht das Gefühl, dass sich die öffentliche Meinung über mich in Virgina sehr geändert hat. Entweder wissen die Leute gar nicht, wer ich bin, oder sie glauben, ich sei ein Monster. Vielleicht kann der Film daran etwas ändern. Davon abgesehen hat sich generell etwa geändert: Aufgrund der vielen bekannt gewordenen Fehlurteile findet gerade ein Umdenken in der Bevölkerung statt.

Wie haben sich Ihre Haftbedingungen im Laufe der Jahre verändert?

Sie werden immer schlechter. Im Bundesstaat Virginia gibt es diesen irrsinnigen politischen Kreislauf. Er beginnt immer mit einer Haushaltskrise, und dann beschließen sie, als Sparmaßnahme ein Gefängnis zu schließen. Aber sie lassen deshalb niemanden frei. Sie stecken die Gefangenen einfach nur in die verbliebenen Gefängnisse, so dass diese immer stärker überfüllt werden. Im Moment sind die Zustände wirklich unerträglich.

Was erwarten Sie vom Ausgang der US-Wahlen für den Bereich der Justiz?

Nichts. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass Donald Trump das Justizsystem reformiert und nicht Hillary Clinton. Donald Trump ist ein Narzisst, klar, dennoch halte ich viele seiner politischen Ideen für vernünftig. Er plädiert zum Beispiel für eine Annäherung an Russland, und er will Medicaid ausweiten und Obamacare beenden. Die Gesundheitsreform Obamacare ist praktisch gescheitert, das hat jetzt sogar Bill Clinton zugegeben. Medicaid dagegen ist vergleichbar mit den europäischen Krankenversicherungen und funktioniert ziemlich gut. Zum Thema Justizreform muss man wissen, dass das ganze Dilemma größtenteils von Bill Clinton verursacht wurde. Seine Gesetze von 1994 sorgten während seiner Amtszeit für eine Verdopplung der Gefängnisinsassen. Hillary Clinton hat das alles unterstützt. Und diese Frau spricht jetzt von einer Gefängnisreform?

Sie sind in diesem Jahr 50 geworden. Haben Sie Ihren Geburtstag gefeiert?

Feiern? Ich kam mit 19 Jahren ins Gefängnis, jetzt bin ich 50. Der Bericht von Dr. Andrew Griffith und die Existenz eines Täterprofils beweisen, dass die Polizei zum Zeitpunkt meiner Verhaftung bereits wusste, dass Elizabeth die Mörderin ist. Ich hatte nie eine Chance. Was sollte es da zu feiern geben?

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