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Haft für Ex-Gouverneur McDonnell: Sturz eines Hoffnungsträgers
 
(von Marc Pritzke, Spiegel Online, 7. Januar 2015, Link)
 

Er war mal ein Star der US-Republikaner: Jetzt wurde Virginias Ex-Gouverneur Bob McDonnell wegen Bestechlichkeit zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Kein "Geschenk" war ihm einst zu schade - von der Rolex bis zur Darmspülung.

Artig gab er den Büßer. "Ich möchte dem Gericht und Richter Spencer für die Gnade danken", sagte Bob McDonnell. "Ich bin ein gefallener Mensch." Dann die obligatorische Entschuldigung "an meine geliebten Bürger von Virginia" - konterkariert vom Schwur: "Niemals habe ich meinen heiligen Amtseid verraten."

Von wegen. Lügen, Pathos, Kungeleien: Bob McConnells Karriere endete am Dienstag mit den gleichen Tricks, aus denen sie bestand. Mit stoischem Kinn quittierte der Ex-Gouverneur von Virginia und einstige Hoffnungsträger der Republikaner das Urteil besagten Gerichts, als sei es eine vom Himmel gefallene Gottesplage: zwei Jahre Gefängnis wegen Korruption.

Bestechlichkeit auf Neureich-Niveau: Rolex-Uhren, Ferraris, Urlaubsreisen, Kleider von Oscar de la Renta, Gesamtschaden 177.000 Dollar. "Ein Preis muss gezahlt werden", sprach US-Bezirksrichter James Spencer, doch es wirkte, als wolle er sich seinerseits entschuldigen, dass er die "empfohlene" Strafe (bis 20 Jahre) nicht tiefer drosseln konnte: "Es bricht mir das Herz."

Es war der Schlussstrich unter den steilen Sturz eines Politikers - galt McDonnell ja mal als Präsidentschaftsaspirant. Doch der fünfwöchige Sensationsprozess vom Sommer, dem jetzt das Strafmaß folgte, enthüllte das ordinäre Elend hinter seiner Patriziermaske. Kein Sexskandal, nein: ein Shopping-Skandal - eine triste Parabel auch auf den "amerikanischen Traum".

Raffgier, Protz, Ehekrach: Eine Seifenoper, ach so unwürdig des stolzen Bundesstaates Virginia, das sich rühmt, die älteste Kolonie Amerikas gewesen zu sein, und des Kuriosums, dass es mehr US-Präsidenten hervorgebracht hat als sonst ein Bundesstaat.

Präsidenten - und eben auch käufliche Politiker. McDonnell, 60, wollte seine Käuflichkeit lange nicht wahrhaben. Schien es doch ein legitimes System: die Geschenke, die Schecks, die "Gefallen". Mit Mitt Romney und Rick Perry verkehrte er, sammelte Abermillionen Dollar an Wahlkampfspenden, bereitete sich schon auf höhere Parteiweihen vor. Dann zerbrach alles.

Zuerst zerbrach die Ehe. Seit 1976 waren sie verheiratet, der fesche Armeeoffizier und Maureen Gardner, vormals Cheerleaderin. Doch Mitte der Neunzigerjahre, so sagte McDonnell vor Gericht aus, habe er die ersten Brüche bemerkt - bei einer Familienreise nach Walt Disney World, dem "Happiest Place on Earth".

Ausgerechnet McDonnell, der sich stets zum Verfechter der "traditionellen Familie" stilisiert hatte. Richtig schlimm wurde der Konflikt 2006, als er zum Justizminister Virginias aufstieg - und dann 2009 mit seinem Einzug in die koloniale Gouverneursvilla, Amerikas älteste.

Zank und Abzocke prägten jene Jahre, in denen die McDonnells sich selbst die privatesten Bedürfnisse vom Staat zahlen ließen: Duschgel, Sonnenöl, Deodorant, eine Darmspülung ("Detox Cleanse"). Sie zwangen die Angestellten des Gouverneurshaushalts zu Botengängen für die Kinder, etwa um deren Kleider aus der Reinigung abzuholen. Der Ehe half das alles nicht, die war längst verwelkt.

Folgenreicher war die Freundschaft der McDonnells mit dem Selfmade-Millionär Jonnie Williams. Der Chef des Diätmittelkonzerns Star Scientific, der wegen des Verdachts des Anlegerbetrugs im Visier der US-Börsenaufsicht SEC stand, "lieh" dem Gouverneurspaar zuerst seinen Learjet, dann seinen Ferrari, dann sein Ferienhaus - und schließlich 120.000 Dollar.

Weitere "Geschenke": ein Louis-Vuitton-Mantel, zwei Oscar-de-la-Renta-Kleider, eine silberne Rolex, Golfschuhe, zwei iPhones, die Hochzeitskosten von Tochter Cailin sowie "eine Whirlpool-Abdeckung". Im Gegenzug legte McDonnell bei seinen Behörden ein gutes Wort ein für Anatabloc, ein dubioses Williams-Produkt. Maureen versuchte parallel, Mitt Romneys Frau Ann für Anatabloc zu begeistern.

2013 deckte die "Washington Post" die Kungeleien auf. Die Justiz ließ nicht lange auf sich warten. Der Schuldspruch kam im September, die Strafe am Dienstag - für ihn, Maureen McDonnell ist erst im Februar dran.

Zum Schluss ergriff McDonnell das Wort: "Ich stehe als untröstlicher und gedemütigter Mann vor Ihnen." Im Publikum zückten sie die Kleenex.

So gedemütigt war er aber dann doch nicht. "Ich bin mit dem Urteil nicht einverstanden", sagte er anschließend und kündigte sofort Berufung an.

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