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Aktivisten kämpfen für Freilassung von US-Häftling Jens Söring

(von Caroline Strang, Märkische Oderzeitung, 17. Juni 2013, Link)


Berlin (MOZ) 27 Jahre sitzt Jens Söring wegen Doppelmordes in US-Haft. Seine Unterstützer versuchen nun mit einer Petition zu erreichen, dass Kanzlerin Merkel den Fall anspricht, wenn US-Präsident Barack Obama kommende Woche zu Besuch in Berlin ist.

Berlin (MOZ) Es zählt jede Minute. Wie lange wird sich das Kanzleramt Zeit nehmen für das Anliegen, für das sich viele hier schon seit Jahren einsetzen? Ein paar Minuten? Wird Angela Merkel selbst da sein? Es sind bange Momente vor dem Kanzleramt in Berlin. Rund 30 Aktivisten stehen in der prallen Sonne an diesem ersten schönen Tag nach dem langen Regen. Sie kommen aus Berlin, einige sind auch weiter angereist, aus Hamburg zum Beispiel. Sie warten darauf, dass ihr Vertreter wieder aus dem Kanzleramt kommt. Auf ihren Plakaten wiederholt sich ein Name: Jens Söring. Sie halten Fotos mit seinem Gesicht mit der großen braunen Brille in die Höhe.

Das Gesicht des deutschen Staatsbürgers, der seit 27 Jahren in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Virginia sitzt - verurteilt für den Mord an den Eltern seiner damaligen Freundin 1985. Und der, obwohl er im Alter von 18 Jahren gestanden hatte, seither seine Unschuld beteuert. Ob er schuldig ist oder nicht, darüber sind sich nicht einmal die Aktivisten einig. Linda Zielinski glaubt nicht, dass er den Doppelmord begangen hat. "Er hat Scheiße gebaut", sagt sie im Hinblick auf einen Scheckbetrug auf der Flucht damals. ,,Aber Mord?" Sie schüttelt den Kopf.

Für Pfarrerin Susanne Gödecke ist die Frage nach der Schuld Nebensache. "Er könnte es schon getan haben", sagt sie nur. Trotzdem steht sie hier. Schließlich habe er gebüßt. Ein Buch von Jens Söring hat sie bis vor das Kanzleramt geführt. Der spirituelle Weg des Mannes, der inzwischen sagt, er habe seinen Glauben verloren, hat sie vor Jahren fasziniert. Und sie hat dem Autor ins Gefängnis geschrieben. Seither be stehe regelmäßiger Briefkontakt. "Er ist intellektuell, streitet sich gerne und ist oft sarkastisch", beschreibt sie ihre Eindrücke.

Auch viele andere Aktivisten sind über Briefe in Kontakt mit dem 46-jährigen Häftling jenseits des Atlantiks gekommen. Linda Zielinski hatte sich nach einem Film dazu entschlossen, einem Häftling einen Brief zu schicken. Seit sechs Jahren hält der Kontakt nun. Erst kürzlich war sie bei ihm. Sie sei erstaunt gewesen, wie klein er ist, erzählt sie als erstes. Eine kurze Umarmung war erlaubt, mehr nicht. Sie habe ihm vom Alltag in Deutschland erzählen wollen, schließlich könne er sich nur an das Berlin von 1985 erinnern. Sie sprachen trotzdem lange über seinen Fall.

Wolfgang Welsch, der bei der Aktion vor dem Kanzleramt die Führung übernommen hat, sieht den Fall Söring als "fundamentalen Justizirrtum" an - und als Verstoß gegen die Menschenrechte. Er selbst habe sieben Jahre als politischer Häftling der DDR gesessen, begründet der frühere Fluchthelfer sein Engagement. "Mir ist Unrecht ein Gräuel." Deshalb hat er Partei ergriffen. In seiner Petition fordert er die Kanzlerin auf, den Fall Söring bei US-Präsident Obama anzusprechen. Den Brief trägt er persönlich ins Kanzleramt.

Es ist eine gute halbe Stunde vergangen, als Welsch wieder aus dem Gebäude tritt und über den Platz auf die Aktivisten zugeht. "Er kommt" - es geht ein Raunen durch die Reihen. Welsch stellt sich vor seine Mitstreiter und sein Gesicht zeigt sofort, dass es so schlecht nicht gelaufen sein kann. Nein, die Kanzlerin sei nicht da gewesen, aber ein außenpolitischer Berater und ein Stenograph. In den ersten Minuten habe der Berater ihm erklären wollen, wie man Söring im US-Justizsystem helfen könne, sagt Welsch. Das habe er entkräftet. Nur die Politik kann noch helfen, davon sind hier alle überzeugt, inklusive Söring.

Tatsächlich scheint das "Ger-man Monster", als das er in den lokalen Medien dargestellt wurde, zu einem Spielball der Politik geworden zu sein. 2010 war seine Überstellungsurkunde vom damaligen demokratischen Gouveneur schon unterschrieben. Als ein paar Tage später der republikanische Kandidat McDonnell die Gouverneurswahl gewann, nahm der diese Entscheidung postwendend zurück.

Das Parole Board, der Gnadenausschuss, hat erst im September vergangenen Jahres über den Fall Söring be-raten - und abgelehnt. Achtmal hat Söring Bewährung beantragt - vergeblich. Ein juristisches Wiederaufnahmeverfahren lässt das virginianische Recht laut Welsch überhaupt nicht zu. Dabei waren in den letzten Jahren immer mehr Indizien aufgetaucht, die gegen Söring als Doppelmörder sprechen - und für ein unsauberes Verfahren damals.

Welsch drückt deutlich aus, was er denkt: "Jens verreckt, wenn Merkel sich nicht einsetzt." Söring erlitt erst kürzlich einen Schwä cheanfall. In einem seiner Infobriefe, die regelmäßig auf seiner Homepage veröffentlicht werden, schreibt er lange über Selbstmord. "Es fällt mir sehr schwer, nicht die Hoffnung zu verlieren", sagt er. Der höfliche Sarkasmus, der Söring sonst eigen ist, ist offenbar einer tiefen Traurigkeit gewichen. Zu oft wurden seine Hoffnung enttäuscht, die auch von prominenten Unterstützen wie Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gregor Gysi und derzeit vom SPD-Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer geschürt wurden. Er habe sehr freundliche, persönliche Briefe von deutschen Politikern erhalten, erzählt Söring, "Ausdruck ehrlichen Mitleids, aber eben nicht Angebot kompetenter Hilfe". Mitleid aber brauche er nicht. Hilfe schon.

Welsch allerdings ist optimistisch, dass die Aktivisten Erfolg haben. Oder er tut wenigstens so. "Ich habe sie totgeredet", sagt er stolz über sein Gespräch im Kanzleramt. Währenddessen hält er die ganze Zeit das Plakat in die Höhe, mit dem er auf die Ungerechtigkeit im Fall Jens Söring hinweisen will. Falsch herum -denn das Kanzleramt befindet sich in seinem Rücken. Und sollte die Kanzlerin aus dem Fenster schauen, muss sie doch die Plakate lesen können.

"Wir fragen nicht, wie groß die Chancen sind, wir machen solange weiter, bis er zurück in Deutschland ist", sagt er. Er klingt kämpferisch. In den Schreiben von Jens Söring klingt das eher resigniert: "Vielleicht sind die deutschen Medien ebenso wie die deutsche Politik darauf bedacht, den Staatsbesuch des US-Präsidenten nicht mit einem hässlichen kleinen Ärgernis wie mir zu "belasten'", meint er. Und: "Ganz objektiv gesehen bin ich ... Kleinkram." Und schiebt trotzig hinterher: "Noch bin ich nicht tot, noch nicht." Linda Zielinski jedenfalls erwartet ihn im Laufe eines Jahres, sagt sie. Sie will Gefängnisfilme mit ihm schauen.

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