Skip to main content
#
Freundeskreis Jens Söring
Kontakt
our twitterour facebook page google plus youtubeinstagram
EN
 
An Gerichtsurteil bleiben Zweifel
(von Gehard Hölzl, Mannheimer Morgen, 25.10.2016, Link)
 

Ein Gerichts-Thriller - aber nicht in der Tradition von John Grisham. Hier gibt es weder ziselierte Wortduelle und aalglatte Anwälte noch findige Kriminalisten oder smarte Finten und erst recht keinen Freispruch in letzter Minute. "Das Versprechen - Erste Liebe lebenslänglich" ist eine Dokumentation, eine Materialsammlung. Vom Untertitel des Films darf man sich nicht täuschen lassen. Spekulativ, reißerisch ist hier nichts. Es geht ausschließlich um Fakten. Das Ende bleibt offen...

Die Tat: ein brutaler Doppelmord. Die Opfer: Nancy und Derek Haysom, honorige Mitglieder der Gemeinde Lynchberg im US-Bundesstaat Virginia. Die vermeintlichen Täter: Elizabeth Roxanne Haysom, Tochter des Hauses, und ihr zwei Jahre jüngerer deutscher Freund Jens Söring. Die beiden werden des Verbrechens für schuldig befunden. Das Urteil: 90 Jahre Haft für Haysom, zweimal lebenslänglich für Söring. Beide sind noch in Haft, sitzen in Gefängnissen, rund 60 Kilometer voneinander entfernt.

Obsessive Beziehung

Der Prozess gegen den damals 18-jährigen Söring war 1985 eine Mediensensation, der erste der live im Fernsehen übertragen wurde. Beiden Angeklagten stammen aus angesehenen Familien. Im August 1984 hatten sie sich bei einem Orientierungsabend für Hochbegabtenstipendiaten an der Universität von Virginia getroffen und augenblicklich ineinander verliebt. Der Beginn einer obsessiven Beziehung. Sie war schön, verwegen, hatte ein britisches Internat besucht, er, weit gereister Sohn eines Diplomaten, jung und naiv. Nach der Bluttat fliehen die beiden. Asien, Europa. Ende April 1986 werden sie in England wegen Scheckbetrugs gefasst. Haysom bekennt sich der Anstiftung zum Mord schuldig, Söring bestreitet diesen. Er widerruft sein ursprüngliches Geständnis, behauptet, die Tat nur aus Liebe zu Elizabeth auf sich genommen zu haben...

Mehr als 30 Jahre sind seitdem vergangen. Was damals wirklich geschah, ist noch nicht geklärt. 2006 besuchte die Journalistin Karin Steinberger Söring zum ersten Mal im Hochsicherheitstrakt, folgte Hinweisen, dass den US-Behörden im Prozess eklatante Fehler unterlaufen waren. Ihre Recherchen, Reportagen und Interviews lösten ein weltweites Medienecho aus, diese Vorarbeit ist in den Dokumentarfilm eingeflossen, den sie gemeinsam mit Marcus Vetter realisiert hat - ein Film über eine große Liebe und einen noch größeren Verrat, eine Bestandsaufnahme über das amerikanische Rechtssystem, das sich selbst nicht mehr zu hinterfragen scheint.

Das übernehmen die Filmemacher: Wem gehören die nicht identifizierten Fingerabdrücke am Tatort? Warum durfte der sexuelle Missbrauch der Tochter durch die Mutter vor Gericht keine Rolle spielen? Wie kann es sein, dass ein befangener Richter - ein Freund der Familie - über den Fall urteilte? Wo ist das FBI-Protokoll, das existiert haben soll, aber unauffindbar ist? Alles kann auch ganz anders gewesen sein. Befindet sich der wahre Täter möglicherweise noch auf freiem Fuß?

Vetter und Steinberger präsentieren nie zuvor gesehenes Videomaterial der Haysom-Prozesse, reden mit ehemaligen Ermittlern, begleiten einen Privatdetektiv, der nach neuen Beweisen sucht. Sie fördern Material zutage, das nie vor Gericht erwähnt oder als unzulässig erklärt wurde. So haben beispielsweise DNA-Tests mittlerweile ergeben, dass keine der am Tatort gefundenen Blutspuren Jens Söring zuzurechnen ist.

Elf Mal wurde dessen Antrag auf Entlassung auf Bewährung mittlerweile abgelehnt, seine Haftüberstellung nach Deutschland von einem demokratischen Gouverneur an seinem letzten Tag im Amt bestätigt, von seinem republikanischen Nachfolger jedoch an dessen ersten Arbeitstag gestoppt. Es beschleicht einen das Gefühl, dass man es im Land der Freiheit mit der Gerechtigkeit nicht mehr so genau nimmt. Man erinnert sich an die inzwischen fast alltäglichen Übergriffe weißer Polizisten auf schwarze Mitbürger.

Diese Dokumentation ist eine brisante, durchdachte und sorgsam kompilierte Arbeit - spannender, nervenaufreibender als so mancher Spielfilm.

Newsletter 

Mit unserem Newsletter bleiben Sie über Neuigkeiten informiert. Jetzt anmelden

Bücher von Jens  
Spenden
T-Shirts für Jens 
    © Freundeskreis Jens Söring | E-Mail: admin (at) jenssoering.de | www.jenssoering.de
    Kontakt zu Jens Söring | Impressum & rechtliche Hinweise | Datenschutzerklärung
    Site Powered By
        Streamwerx - Site Builder Pro
        Online web site design