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Bonner Anwälte kämpfen um US-Häftling


(Dieter Brockschnieder, Kölnische Rundschau, 6. April 2011, Link)


Jens Söring ist 44 Jahre und sitzt seit 26 Jahren wegen Doppelmordes in Haft, zunächst in England, seit zwei Jahrzehnten in den USA, unschuldig, wie er sagt. Zwei Bonner Anwälte kämpfen um seine Freilassung.

Bonn - Die Geschichte ist bizarr. Jens Söring, Sohn eines deutschen Diplomaten, geboren 1966 in Bangkok und aufgewachsen in Bonn, ist gerade 18 Jahre alt, als er den Fehler seines Lebens macht. 1985, sein Vater arbeitete damals als Konsul in Detroit, besuchte er mit einem Hochbegabtenstipendium die University of Virgina und lernte dort die zwei Jahre ältere Elizabeth Haysom kennen, Tochter eines Industriellenehepaars aus Bedford County im US-Bundesstaat Virginia, hübsch, aber mit einem Drogenproblem. Für ihn ist es die erste Freundin, die erste Liebe - da spielen die Hormone bei jungen Männern schon mal verrückt.

Im März 1985 werden Elizabeths Eltern ermordet in ihrer Villa aufgefunden, grausam erdolcht - die Bluttat eines Wahnsinnigen. Am Tag des Mordes, sagt Söring später, sei er mit einer Freundin auf einem Wochenendtrip in Washington gewesen. Elizabeth aber fuhr noch einmal weg und kam völlig verstört ins Hotel zurück: "Ich habe meine Eltern getötet, es waren die Drogen", soll sie ihm erklärt haben.

Jetzt macht der Junge seinen Fehler: Anstatt die Nummer der Polizei zu wählen, so hat er es in einem Fernsehinterview bedauert, verspricht er der jungen Frau, er werde sie vor dem elektrischen Stuhl retten. "Er wollte der ,weiße Ritter' sein", versucht Sörings Bonner Anwalt Dr. Andreas Frieser von der Kanzlei Redeker Sellner Dahs eine Erklärung für das Verhalten des damals 18-Jährigen zu finden.

Das Paar flieht um die halbe Welt und wird 1986 nach einem Scheckbetrug in London verhaftet. Schnell bringen die Detektive von Scotland Yard Söring und Haysom mit dem Doppelmord in Virginia in Verbindung; beide gehen in Haft, wo Söring die Schuld für die Bluttat auf sich nimmt. Er meint, als Diplomatensohn könne ihm nichts passieren, allenfalls zehn Jahre Haft müsse er absitzen. Ein Irrtum, er hat keine diplomatische Immunität.

London informiert nun offiziell die Behörden in Deutschland und in den USA. Die Staatsanwaltschaft Bonn leitet daraufhin ein Ermittlungsverfahren gegen den Bonner ein, um ihm in der Bundesrepublik den Prozess machen zu können. Sörings Vater bittet die Kanzlei Redeker Sellner Dahs um juristischen Beistand. Andreas Frieser, damals einer der jüngsten Anwälte in der Sozietät, fährt nach London, um mit Söring zu sprechen, und trifft dort im Untersuchungsgefängnis auf den Bonner Staatsanwalt Bernd König, heute als Leitender Oberstaatsanwalt Chef der Behörde. König vernimmt den Verhafteten im Beisein von Beamten von Scotland Yard, und auch ihm gegenüber gesteht der 19-Jährige den Doppelmord. König erinnert sich an einen hochintelligenten jungen Mann, "einen Überflieger", der ihm da im Verhörraum gegenüber saß.


Geständnis widerrufen

Elizabeth Haysom wird sofort an die USA ausgeliefert, wo sie zu 90 Jahren Haft verurteilt wird. Das Gericht verschont sie von der Todesstrafe, weil sie angibt, ihren Geliebten zu dem Verbrechen angestiftet zu haben. Um ihn, der in London einsitzt, beginnt ein jahrelanges juristisches Tauziehen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Washington verlangt die Auslieferung, Söring klagt sich dagegen hoch bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, weil er die Hinrichtung befürchtet. "Der Fall Jens Söring ist von großer Bedeutung in der Rechtsprechung geworden," sagt Friesers Kollege Dr. Christian Mensching. Denn der Gerichtshof entscheidet, dass der Delinquent nur ausgeliefert werden darf, wenn er von der Todesstrafe verschont wird. Nur unwillig stimmt Washington zu.

1990 wird dem Deutschen in der Kleinstadt Bedford der Prozess gemacht. Der Richter gilt als Freund der Haysom-Familie, Sörings Verteidiger soll eine dubiose Rolle in dem Verfahren gespielt haben, ihm wird später die Zulassung entzogen, weil er während des Prozesses unter psychischen Störungen gelitten habe. Kronzeugin der Anklage ist Elizabeth, die behauptet, Jens habe ihre Eltern getötet. Der Angeklagte widerruft sein Geständnis, aber die Jury glaubt ihm nicht und verurteilt ihn zu zweimal lebenslänglich.

Wer sich die Fernsehaufnahmen aus dem Gerichtssaal betrachtet, sieht einen jungen Mann mit korrektem Scheitel, in Anzug und mit großer Brille, der sehr selbstbewusst auftritt. Von Demut keine Spur.

Jens Söring geht in Berufung, wird dort vertreten von Gail Marshall, der früheren stellvertretenden Generalstaatsanwältin von Virgina, die an seine Unschuld glaubt. Doch alle Versuche der Anwältin, das Urteil aufzuheben, scheitern, zuletzt 2001 vor dem Obersten Gerichtshof in Washington.

Ein Jahr darauf kam Frieser im Zusammenhang mit einem Erbrechtsfall wieder in Kontakt mit dem Inhaftierten. Und seitdem bemühen sich der Anwalt und sein Kollege Mensching um die Freilassung Sörings - "pro bono", wie sie sagen, also dem Guten verpflichtet, ohne Gebühr und als gesellschaftliches Engagement der Kanzlei.

Die Hürde ist hoch, um Häftling Nummer 11 61 655 aus dem Buckingham Correctional Center in Dillwyn/Virgina zu holen. Denn Söring muss nun seine Unschuld beweisen. Es gibt mehrere Versuche dazu: 2009 offenbart ein DNA-Test, dass 42 Blutspuren, die am Tatort im Haus der Haysoms gefunden worden waren, nicht Söring zugeordnet werden können. Er aber verzichtet darauf, sie in das Verfahren einzuführen, weil er zu der Zeit große Hoffnung auf Freilassung hat.

Denn in der Bundesrepublik war ein Versuch angelaufen, den Deutschen in seine Heimat überstellen zu lassen. "Ein gangbarer, aber steiniger Weg", so Frieser. Das Landgericht Bonn hatte einen Beschluss erlassen, nach dem die in den USA verhängte Freiheitsstrafe in Deutschland weiter vollstreckt und eine Bewährungsentscheidung zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden könnte. Söring hat sich darüber hinaus verpflichtet, für mindestens zwei Jahre im Anschluss an die Überstellung keine Bewährung zu beantragen. Mensching: "Auch danach gäbe es keinen Automatismus. Das zuständige Gericht würde anhand der gesetzlichen Vorgaben entscheiden, ob die Bewährungsvoraussetzungen vorliegen."

Im Dezember 2009 beantragte Berlin in Washington offiziell die Überstellung des Gefangenen. Der Gouverneur von Virginia, Timothy Kaine, ein Demokrat, unterschrieb den Antrag, schickte ihn ans US-Justizministerium, doch sein Nachfolger, der Republikaner Bob Mc Donell, widerrief den Akt seines Vorgängers. Im Januar dieses Jahres hat der Deutsche Klage gegen den Widerspruch eingereicht, gleichzeitig läuft ein Gnadengesuch.


Neuer Zeuge meldete sich

US-Medien haben sich dieses Falles wieder angenommen, und so meldete sich vor wenigen Wochen, am 10. März, der ehemalige Automechaniker Tony M. Buchanan, der an Eides statt versicherte, er habe drei bis fünf Monate nach den Morden am Ehepaar Haysom ein Auto repariert, in dem er Blutspuren und ein blutiges Messer entdeckt habe. Eine Frau, Elizabeth Haysom, und ein Mann, eindeutig nicht Jens Söring, hätten ihm den Wagen gebracht. Nun will sich die Bewährungskommission des Bundesstaats Virginia des Falls annehmen. Neue Hoffnung für Häftling 11 61 655?

Sollte er frei kommen, will er sich in Deutschland in ein Kloster begeben. Söring ist im Gefängnis ein gläubiger Mensch geworden, schreibt darüber Bücher. In einem Text notiert er, dass seine Mutter sich 1998 aus Gram zu Tode getrunken hat, sein Vater hat sich von ihm abgewendet. Er, der Sohn, sei sich sich seiner Schuld gegenüber seiner Familie bewusst - obgleich er die Tat nicht begangen habe.
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