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Bonner bleibt in amerikanischer Haft
 
(von Dieter Brockschnieder, Bonner Rundschau, 28. Dezember 2015, Link)
 

Der Bonner Jens Söring sitzt seit fast 30 Jahren in den USA im Gefängnis. Verurteilt für einen Doppelmord, den er bis heute leugnet. Nun wurde ein neuer Antrag auf Haftüberstellung abgelehnt.

Bonn/Dillwyn. Der wegen Doppelmordes in den USA zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilte Bonner Jens Söring wird nicht in ein deutsches Gefängnis verlegt. Der Gouverneur des US-Bundesstaats Virginia, Terry McAuliffe, hat am 23. Dezember einen Antrag des 49-Jährigen auf Haftüberstellung abgelehnt. Das berichten amerikanische Medien und wird von Söring in einem am Montag veröffentlichten Brief an seine deutschen Unterstützer bestätigt.

„Ich muss Euch sagen, dass diese jüngste Entscheidung gegen mich es fast unmöglich für mich macht, jemals entlassen zu werden“, schreibt resigniert der Gefangene, der seit fast 30 Jahren in einem Gefängnis sitzt.

Söring, geboren 1966 als Sohn eines Beamten des Auswärtigen Dienstes, wuchs von 1973 bis 1977 in Bonn auf, unter anderem auf dem Hardtberg. Dann zog die Familie in die USA, sein Vater war deutscher Vizekonsul in Detroit. Der junge Mann, ein exzellenter Schüler, bekommt ein Hochbegabten-Stipendium der University of Virginia, wo er, 18-jährig, die zwei Jahre ältere Elizabeth Haysom kennenlernt – eine verhängnisvolle Beziehung beginnt. Die Frau ist attraktiv, soll Drogenerfahrung haben; für ihn ist es die erste große Liebe.

Der Mord an Derek und Nancy Haysom 1985

Am 30. März 1985 werden Elizabeths Eltern, das Ehepaar Derek und Nancy Haysom, in ihrem Haus im Bedford County brutal mit 48 Messerstichen ermordet.

Elizabeth soll am Tattag ihrem Freund gestanden haben, sie habe die Eltern umgebracht: „Ich wollte ihren Tod“, sagte sie später vor Gericht aus. Jens müsse ihr helfen, fleht sie den Deutschen an, „sonst braten die mich“, berichtet Söring heute.

Das Paar flieht, zunächst nach Asien, dann nach Europa. In England werden sie wegen eines Scheckbetrugs erwischt. In einem Gefängnis in London gesteht Jens den Mord an den Haysoms. „Sie war eine schöne Frau, die ich schrecklich liebte“, erzählt er in einem Dokumentarfilm, der im März in die Kinos kommen soll. Söring war der naiven Meinung, der Diplomatenstatus seines Vaters schütze ihn vor Strafverfolgung. Ein Irrtum.

Elizabeth, die ebenfalls ein Geständnis abgelegt hat, wird in die USA ausgeliefert, die auch Söring vor einem amerikanischen Gericht sehen wollen. Weil ihm dort aber die Todesstrafe droht, wird der Fall zu einem juristischen Tauziehen zwischen den USA und Europa und beschäftigt sogar den Europäischen Gerichtshof. Erst als die Vereinigten Staaten zusagen, den Deutschen nicht zum Tode zu verurteilen, darf er überstellt werden.

Vor dem Geschworenengericht in Bedford widerruft Söring sein Geständnis, er sei unschuldig. Doch man glaubt ihm nicht, zumal Elizabeth aussagt, er habe auf ihre Anweisung hin ihre Eltern umgebracht. Die Zeugin wird wegen Anstiftung zum Mord zu 90 Jahren Haft verurteilt, Söring zu zweimal lebenslänglich. Und lebenslänglich heißt in den USA: Haft bis zum Lebensende.

Mehr als die Hälfte seines Lebens verbringt Häftling 179212 im Gefängnis in Dillwyn (Virginia), schreibt dort mehrere Bücher, unter anderem über das amerikanische Justizsystem, auch über Religion – und kämpft um seine Freilassung.

Bonner Rechtsanwälte unterstützen Söring

Dabei wird er von den Bonner Rechtsanwälten Andreas Frieser und Christoph Mensching von der Kanzlei Redeker Sellner Dahs unterstützt. Sie bezweifeln die Schuld Sörings und sehen entlastende Indizien. So sollen am Tatort festgestellte Blutspuren, die Jahrzehnte später erst ausgewertet wurden, ihrem Mandaten nicht zuzuordnen sein.

Auch hinter politischen und diplomatischen Kulissen wird um die Freilassung des Deutschen gerungen. Scheinbar mit Erfolg, denn 2010 unterschreibt der damalige Gouverneur von Virginia, der Demokrat Tim Kaine, in einer seiner letzten Amtshandlungen die Haftüberstellung Sörings in ein deutsches Gefängnis. Das ist ein Handel: Nach deutschem Recht wäre Söring nach 15 Jahren Haft ein freier Mann, aber die Amerikaner wollen nicht noch einmal so etwas erleben wie nach der Freilassung des Lockerbie-Attentäters (259 Tote nach einem Bombenanschlag auf einen PanAm-Maschine) aus schottischer Haft, der 2009 in Tripolis (Libyen) als Held gefeiert wurde. Söring sollte also für ein bis zwei Jahre noch in einer deutschen JVA sitzen. Bevor er aber ins Flugzeug nach Deutschland steigen kann, widerruft der neue Gouverneur von Virginia, ein Republikaner, den Akt seines Vorgängers.

Inzwischen sind auch Kanzlerin Angela Merkel und der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, in den Fall involviert, Söring hat in Deutschland einen großen Unterstützerkreis, Medien, auch die Rundschau, berichten wiederholt über ihn.

Nichts rechtfertige die Freilassung

Er hat vor wenigen Wochen wieder einen Antrag auf Überstellung nach Deutschland eingereicht, Adressat ist der neue Gouverneur Terry McAuliffe, ein Demokrat. Als aber das Magazin „The New Yorker“ über die Causa Söring berichtet, schreiben der republikanische Abgeordnete Rob Bell und 15 weitere Mitglieder des örtlichen Parlaments am 15. November an McAuliffe und fordern, dem Gesuch des Deutschen nicht stattzugeben. Das hat er nun kurz vor Heiligabend getan. „Nichts in Mr. Sörings Petition rechtfertigt seine Überstellung nach Deutschland und seine eventuelle Entlassung“, sagt ein Sprecher McAuliffs der Zeitung „The Roanoke Times“. Die berichtet auch, Söring-Gegner Bell wolle Generalstaatsanwalt werden und habe deswegen die Kampagne gestartet.

Und Söring selbst? Es ist nicht das erste Mal, dass er mit einem solchen Antrag gescheitert ist. So hat er sich 2012 auf ein Gutachten eines ehemaligen Polizeiermittlers gestützt, der nach Befragungen und Akteneinsicht zu der Überzeugung gelangt war, dass die damals dem Gericht präsentierten Beweise nicht ausreichend gewesen seien, um den Angeklagten schuldig zu sprechen. Jetzt hofft Söring, dass der im März startende Film „The Promise/Das Versprechen“ „vielleicht irgendwie die Dinge aufwühlt“. Abgesehen davon könne er nur versuchen, „noch mehr Beweise für meine Unschuld zu finden“.

Filmemacher Markus Vetter erzählt mit „The Promise/Das Versprechen“ die Geschichte des Gefangenen Jens Söring befasst. Dieter Brockschnieder sprach mit dem dreifachen Grimme-Preisträger über den Fall.

Wie sind Sie auf den Fall Söring aufmerksam geworden?

Durch Zeitungsberichte. 2014 habe ich im Gefängnis ein Interview mit Jens Söring geführt, es war das letzte, das er einem Filmteam geben durfte, danach wurde die Sicherheitsstufe erhöht.

Aber Söring ist nicht der einzige Zeuge in Ihrem Film?

Nein, wir haben mit Ermittlern gesprochen, viel Material gesichtet. Und dabei kam heraus, dass in dem Fall schlampig recherchiert worden ist.

Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass Jens Söring unschuldig ist?

Ja, nach all den langen Recherchen und der Beweislage, bin ich sicher, dass er unschuldig ist. Um das zu erklären, müsste ich etwas länger ausholen.

Nur zu!

Söring war damals 18, Elizabeth war seine erste Liebe. Sie ist, so viel scheint sicher, von ihrer Mutter sexuell missbraucht worden. Eine solche Tat war damals in den 80er Jahren unmöglich in Bedford/Virginia, ein Skandal. Der sexuelle Missbrauch der Tochter sollte nicht ans Tageslicht kommen. Das wusste Söring, und er hat gesagt, eine missbrauchte junge Frau hat die Todesstrafe nicht verdient.

Aber er hat ein Geständnis abgelegt.

Er hat sie geliebt und die Tat für sie auf sich genommen. Ich will das nicht entschuldigen, aber noch einmal: Er war damals 18.

Wann kommt Ihr Film in die Kinos?

Im März, wir arbeiten jetzt an der Endfassung.

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