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Deutscher Diplomatensohn im amerikanischen Knast


(von Olaf Neumann, Nürnberger Nachrichten, 31. Mai 2011, Originalartikel)


Mainz  - Der Deutsche Jens Söring sitzt seit 25 Jahren in einem amerikanischen Gefängnis. Die ZDF-Dokumentation „Keine Gnade für 179212“ rollt am 1. Juni seinen Fall auf, der wohl einzigartig ist in der Geschichte. Olaf Neumann hatte vorab Gelegenheit, mit dem Häftling zu sprechen.

Wie ist es, wenn man weiß, dass man unschuldig zum Tode verurteilt wird? Wird man da fromm? Wird man besser und edler? Der Deutsche Jens Söring jedenfalls verbrachte die ungewissen Jahre seiner Untersuchungshaft damit, „immer wieder vom Geruch verbrannten Menschenfleisches und verbrannten Haaren zu lesen, von vier oder fünf Elektroschocks, die innerhalb von 15 Minuten wiederholt werden mussten, weil der elende Verbrecher einfach nicht sterben wollte.“

Vor genau 25 Jahren kam Söring ins Gefängnis. Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Virginia verurteilte den deutschen Diplomatensohn für den extrem grausamen Doppelmord an dem Manager Derek Haysom und dessen Frau Nancy zu zweimal lebenslanger Haft. Nur aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte durfte er nicht hingerichtet werden. Diese Entscheidung gilt bis heute als der führende Präzedenzfall in der internationalen Rechtsprechung. Heute ist der Deutsche Häftling 179212 im Buckingham Correctional Center im US-Bundesstaat Virginia. Sörings Unterstützer sprechen von einem Justizirrtum.

Als er 1966 in Bangkok als Sohn eines höheren deutschen Diplomaten das Licht der Welt erblickt, scheint sein Weg rosig: Mit 18 erhält er ein Hochbegabtenstipendium und studiert an der University of Virginia, einer der renommiertesten in den USA. Dort verliebt sich der unerfahrene Strebertyp in seine Kommilitonin Elizabeth Haysom. Die 20-Jährige ist exzentrisch, äußerst attraktiv und den Drogen zugetan. Als Elizabeths Eltern am 30. März 1985 in Lynchburg, Virginia, ermordet werden, fällt der Verdacht auf die angeblich von den Eltern missbrauchte Tochter und deren deutschen Freund. Wie Bonnie und Clyde geht das ungleiche Paar auf die Flucht — und wird schließlich im Juni 1986 in London geschnappt.


Neuer Entlastungszeuge

Söring will Elizabeth durch ein Geständnis vor dem elektrischen Stuhl retten — im festen Glauben, er würde als Diplomatensohn in die Heimat ausgeliefert werden, wo ihm nur die Jugendstrafe droht. Ein fataler Irrtum. Bald darauf widerruft Söring und klagt bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Statt zum Tode wird Jens Söring in Virginia „nur“ zu zweimal lebenslänglich verurteilt, Elizabeth Haysom kriegt 90 Jahre. Heute mehren sich die Anzeichen, dass Söring möglicherweise nicht der Täter ist. Ein DNA-Test und ein neuer Entlastungszeuge haben den komplexen Fall wieder ins Gespräch gebracht.

Nachdem Söring sämtliche juristischen Mittel ausgeschöpft hat, setzt sich jetzt die Bundesregierung für ihn ein und will ihm die Rückkehr nach Deutschland ermöglichen. Ihr Menschenrechtsbeauftragter Markus Löning (FDP) stattete ihm im Februar erstmals einen Besuch ab. Er sagt: „Neue Beweise legen Zweifel an seiner Schuld nahe — es besteht aber kein Zweifel daran, dass er in einem rechtsstaatlichen Verfahren verurteilt worden ist. Der Einfluss der Bundesregierung auf seinen Fall ist beschränkt: in Virginia wird sich eine unabhängige Berufungskommission mit ihm beschäftigen. Wir sollten das Verfahren abwarten und ihm die Daumen für die Begnadigung drücken.“

Im Gefängnis sagt man Söring indessen offen, dass er dort sterben soll. Was macht das Leben für ihn, der hinter Gittern zum katholischen Glauben fand, lebenswert? „Kämpfen“. Der 44-Jährige spricht mit fester Stimme. Seinem Deutsch sind die vielen Jahre in den USA kaum anzumerken. „Mir wird oft gesagt, dass man mich beobachtet, wie ich am Schreibtisch sitze und wie wild schufte. Zwölf bis 14 Stunden am Tag.“ Im Gefängnis hat er bislang sieben Bücher geschrieben. In „Ein Tag im Leben des 179212“ beschreibt er seinen Alltag und den amerikanischen Strafvollzug. „Ich sehe ihn sehr, sehr kritisch“, sagt er bitter. „Der amerikanische Strafvollzug ist menschenverachtend. Es gibt keinerlei Interesse an Resozialisierung.“

Zum Zeitpunkt der Tat war Jens Söring erst 18 Jahre alt. In Deutschland wäre er wahrscheinlich nach dem Jugendstrafrecht verurteilt worden, hätte also maximal zehn Jahre bekommen. Vieles spricht jedoch dafür, dass er von einem deutschen Gericht aufgrund der fragwürdigen Indizien gar nicht für schuldig befunden worden wäre.

ZDF-Doku über Jens Söring: 6. Juli, 22.45 Uhr: „Keine Gnade für Häftling 179212“.
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