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Eiskalter Mörder oder naiver Freund?
Für seine große Liebe bezahlte Jens Söring mit dem US-Knast

(von Rebekka Kaiser, RTL, 01.06.2016, Link)
 

Es klingt wie eine düster-romantische Kriminalgeschichte, die ein Drehbuchautor nach ein paar Whiskeys zu viel niedergeschrieben hat. So beinhaltet dieser Fall alle Zutaten, nach denen ein erfolgssüchtiger Hollywood-Produzent lechzen dürfte: Einen hochintelligenten und verschrobenen Studenten, eine schöne Frau, Sex, Drogen und einen brutalen Doppelmord. Seit fast 30 Jahren schmort der Bonner Diplomatensohn Jens Söring (49) im US-Gefängnis, weil er die Eltern seiner damaligen Freundin umgebracht haben soll. Er beteuert seine Unschuld und sagt, dass er von seiner ersten großen Liebe hereingelegt worden sei.

Um den Fall zu verstehen, ist eine Reise ins Jahr 1984 unerlässlich: Der gerade einmal 18-jährige Jens Söring trifft an der University of Virginia Elizabeth Haysom, die Tochter eines Stahlbarons. Er ist ein schlaksiger Nerd mit riesiger Hornbrille, spielt in Garagenbands und gewinnt Kunstpreise. Sie ist das beliebteste Mädchen auf dem Campus, wie Söring in seinem Buch 'Nicht schuldig' berichtet. Ihre Kommilitonen fasziniert die 20-jährige mit ihren Geschichten über eine wilde Internatszeit in Europa. Dann passiert ein kleines Wunder: Die Campus-Prinzessin wählt sich ausgerechnet den unscheinbaren Nerd als Freund aus.

Mit Haysom hat Söring zum ersten Mal Sex, wie die US-Zeitung 'The New Yorker' schreibt. Außerdem beichtet sie Söring von ihren Drogeneskapaden und von ihrer Mutter, die sie in ihrer Jugend sexuell missbraucht haben soll. Haysom zeigt ihm sogar Nacktfotos, die ihre Mutter von ihr schoss. Söring begegnet ihren Eltern nur ein einziges Mal bei einem Mittagessen. Einige Monate später werden Nancy und Derek Haysom in ihrer Villa in Lynchburg, Virginia, brutal ermordet aufgefunden.

Die Haysoms kennen ihren Mörder, der an dem Wochenende zwischen dem 29. und 31. März bei ihnen aufkreuzt: Nichts deutet auf ein gewaltsames Eindringen in die Villa hin. Blutspuren am Tatort legen nahe, dass Nancy und Derek Haysom gerade fertig gegessen haben, als ihr Mörder am Tisch auf sie losgeht. Zuerst greift der Mörder den 71-jährigen Derek Haysom mit einem Messer an und fügt ihm schwere Verletzungen zu. Danach attackiert er Nancy Haysom. Offenbar in einem Rausch von Hass und Wut sticht der Mörder allein 36 Mal auf den Vater ein. Die Köpfe des Ehepaares sind fast abgetrennt. Das berichtet 'The New Yorker'.

Söring versprach ihr, den Mord auf sich zu nehmen

An dem Wochenende, an dem das Industriellenpaar qualvoll stirbt, unternehmen Söring und Haysom einen Trip nach Washington D.C. In seinem Buch 'Nicht Schuldig' erklärt Söring, dass sie ihm am Samstagabend auf dem Hotelzimmer eröffnet hätte, wieder Heroin zu nehmen. Um Schulden bei ihrem Dealer zu tilgen, müsse sie sich um einen Drogendeal kümmern. Daraufhin sei Elizabeth weggefahren und er alleine ins Kino gegangen. Später wäre sie in anderen Klamotten, völlig verstört und panisch ins Hotelzimmer zurückgekehrt und hätte ihm gestanden, ihre Eltern ermordet zu haben. Daraufhin hätte Söring ihr versprochen, die Tat auf sich zu nehmen, weil er als Diplomatensohn in den USA Schutz vor strafrechtlicher Verfolgung genieße. Er hätte geglaubt, in Deutschland eine niedrige Strafe nach Jugendrecht zu erhalten. Den Mord hätte er auf sich nehmen wollen, um sie vor der Todesstrafe zu bewahren.

Als das junge Paar später ins Visier der Ermittler rückt, setzt es sich ins Ausland ab. Fast ein Jahr lang reisen Söring und Haysom durch die Weltgeschichte, in London fliegen sie wegen Checkbetrugs auf. Der ehrgeizige US-Ermittler Gardner eilt nach England, um beide zu vernehmen. Und Söring löst sein Versprechen ein: Mehrere Male gesteht er der britischen Polizei und Gardner, die Eltern seiner Freundin ermordet zu haben. Später erfährt der Diplomatensohn, dass er keine strafrechtliche Immunität genießt und widerruft sein Geständnis. Auch beklagt Söring, während der Verhöre nach einem Anwalt gefragt zu haben. Dieses Recht sei ihm aber verwehrt geblieben.

Als im Jahre 1990 der sensationsheischende Prozess in Virginia beginnt, haben sich Jens und Elizabeth längst nichts mehr zu sagen. Für Söring läuft es vor Gericht nicht gut: Der Richter ist ein Freund der Familie Haysom, lehnt aber einen Antrag wegen Befangenheit ab. Zudem belastet ihn nun seine frühere Freundin schwer. Doch Sörings Anwalt trägt vor Gericht nicht ihr starkes Mordmotiv vor: Den sexuellen Missbrauch durch ihre Mutter Nancy in ihrer Jugend, von dem ihr Vater Derek wusste. Auch stellt ein Psychiater bei Haysom eine Borderline-Persönlichkeitsstörung fest, wodurch sie extreme Gefühle wie Wut nur vermindert steuern könne.

Die Staatsanwaltschaft zieht die schwankende Jury mit einem zweifelhaften Beweisstück auf ihre Seite: Vor Gericht präsentieren sie einen blutigen Sockenabdruck vom Tatort, der angeblich mit dem Fußabdruck von Söring identisch sein soll. Es scheint ein unfairer Trick in dem reinen Indizienprozess zu sein, denn laut 'The New Yorker' soll die Polizei den Sockenabdruck so lange vergrößert haben bis er mit jenem von Söring deckungsgleich war. Doch Sörings Anwalt Richard Neaton versäumt es, einen Gutachter in den Zeugenstand zu rufen, der das fragwürdige Beweismaterial auseinander nehmen könnte. Später sagen Experten, dass es wissenschaftlich unmöglich sei, den stark verschmierten Sockenabdruck einer Person eindeutig zuzuordnen. Sein Anwalt begeht während des Prozesses so schwere Verfahrensfehler, dass er später seine Lizenz verliert.

Vor Gericht beteuert Söring, dass er die Tat nur gestanden hätte, um Elizabeth zu schützen. Vergeblich, er wird zu zweimal lebenslänglich wegen Doppelmordes und sie zu einmal lebenslänglich wegen Anstiftung verurteilt. Bis heute versucht Söring, gegen das Urteil anzukämpfen. Er hat mehrere Bücher in Haft geschrieben und sich einen breiten Kreis von Unterstützern erschlossen.

Im Frühjahr 2010 scheint es, als habe er einen Sieg über die US-Justiz errungen: Der Gouverneur von Virginia, der Diplomat Tim Kaine, stimmt kurz vor Amtsende Sörings Gesuch auf Haftüberstellung nach Deutschland zu. Doch sein Nachfolger, der Republikaner Robert McDonnell, macht dies an seinem ersten Amtstag wieder rückgängig. Nun hofft Söring, dass die bald erscheinende Kino-Dokumentation 'Das Versprechen' die Menschen auf den offenbar vorliegenden Justizirrtum aufmerksam macht.

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