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Gefangen in der Vergangenheit

(von Sara, PRESSIDENT, 6. Mai 2012, Link)


„Die Gitterstäbe vor dem Fenster, die enge Zelle, das schmale Bett, die hässlichen grauen Wände, die Eisenstangen an der Tür, die Geräusche vor der Zelle, sie alle erinnern ihn an seine erste Liebe und seinen größten Fehler“.

Jens Söring ist 19 als die Eltern deiner Freundin Elizabeth Haysom am 30. März 1985 brutal in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia, niedergestochen werden. Er lebt in den USA, ist der Sohn eines deutschen Diplomaten. Gerade hat er mit dem College begonnen, als sein junges Leben schlagartig vorbei ist.  Am 30.4.1986 wird er gemeinsam mit seiner Freundin  in London für den Mord an Derek und Nancy Haysom verhaftet. Seitdem sitzt er im Gefängnis. Für eine Tat, die er beteuert nicht begangen zu haben.

Von einem Nachbarn werden die Leichen der Haysoms einige Tage nach der Tat in Küche und Esszimmer gefunden. Mit einem Messer hat man auf Derek und Nancy Haysom eingestochen. So heftig, dass der Kopf des Mannes nur noch fetzenartig an seinem Köper hängt. Einen Monat und ein Jahr später werden Elizabeth Haysom und Jens Söring in London wegen Scheckbetrug verhaftet. Im Juni befragt man sie auch zu dem Mord an dem Ehepaar im Bedford County, Virginia, Elizabeths Eltern. Beide legen ein Geständnis ab. Während Jens jedoch die Beamten mit Details versorgt, zieht Elizabeth ihr Geständnis zurück.

Über das, was am Abend des 30. März 1985 geschehen ist, gibt es zwei Versionen. Sicher ist, dass Jens und Elizabeth einen Tag vorher ein Auto mieteten und gemeinsam nach Washington fuhren. Nur einer der beiden aber sitzt am Mordtag in einem Kino in der Hauptstadt. Elizabeth behauptet, sie hätte die Filme gesehen, Jens sei zurück nach Lynchburg gefahren, hätte ihre Eltern getötet und sei anschließend zu ihr zurückgekehrt. Jens Aussage zufolge, machte das Paar den Trip nach Washington DC, um zunächst ohne Jens Wissen Heroin für Elizabeth zu kaufen. Während er im Kino saß, sei sie unterwegs gewesen. Als die beiden sich spät abends im Hotelzimmer wiedertreffen, gesteht Elizabeth ihrem Freund mit blutverschmierten Armen den Mord an ihren Eltern, sie hätte die Schuld auf die Drogen geschoben, so Söring.

Diese Annahme war der wohl größte Fehler seines damals noch jungen Lebens

Warum legte er also ein Geständnis ab? In dem Glauben als Diplomaten-Sohn vor ein deutsches Gericht gestellt zu werden und so der Todesstrafe zu entgehen, entscheidet sich Jens, die Schuld auf sich zu nehmen und damit seine Geliebte vor dem elektrischen Stuhl zu retten. Diese Annahme war der wohl größte Fehler seines damals noch jungen Lebens. Nach ihrer Haftüberstellung in die USA erzählt Elizabeth, Jens zu dem Mord angestiftet zu haben, als Motiv nennt sie, dass ihre Eltern gegen die Beziehung gewesen wären. Am 8. Oktober 1987 wird sie wegen Anstiftung und Beihilfe zu 90 Jahren Haft verurteilt. Währenddessen kämpft Jens noch vehement gegen die Auslieferung in die USA, aus Angst vor einer Hinrichtung, allerdings erfolglos. Am 12. Januar 1990 wird er an das Gefängnis Bedford County überstellt, doch nur unter der Bedingung von der Todesstrafe verschont zu bleiben. In den USA wird ihm dann der Prozess gemacht. Jens beteuert seine Unschuld, erzählt von der Absprache mit Elizabeth, dass er sie deckte um sie vor dem elektrischen Stuhl zu retten. Doch ein blutiger Sockenabdruck, der genauso gut jedem anderen gehören könnte, wird ihm zum Verhängnis. Die Jury hält den Deutschen für schuldig – er bekommt zweimal lebenslänglich.

Zweimal lebenslänglich.

Damit ist die Geschichte aber nicht zu Ende. Seit jenem Tag in London kämpft Jens für seine Unschuld. An seiner Seite unter anderem auch Gail Starling Marshall. Sie ist Professorin an der University of Virginia und ehemalige stellvertretende Staatanwältin, auch sie hält den Sockenabdruck-Beweis für hinfällig. Nach dem Prozess im Jahr 1990 reicht Jens Berufung ein. 1992 wird diese abgelehnt. 2001 lehnt auch der oberste Gerichtshof eine Berufung endgültig ab, ohne Anhörung. Bis zum Sommer 2009 wird sein Antrag auf Bewährung fünfmal abgewiesen. Im September  des selben Jahres veröffentlicht man dann ein "Certificate of Analysis", in dem Blutspuren vom Tatort überprüft wurden. Anfang der 2000er konnten drei  Gefangene aus Virginia so ihre Unschuld beweisen. Von den 42 Blutspuren, die sich in Jens Akte befanden, stimmte keine mit Jens DNA überein. In einem Prozess wäre er mit diesen Beweisen vermutlich nicht für schuldig befunden worden. Ein Gnadengesuch auf Basis dieses Testes wird aber trotzdem abgelehnt. Ein neuer  Hoffnungsschimmer regt sich Anfang des darauffolgenden Jahres, als Gouverneur Timothy M. Kaine sich für Jens einsetzt und seine Haftüberstellung nach Deutschland beantragt. Dies geschieht hindoch kurz vor Ende seiner Amtszeit und sein Nachfolger Robert F. McDonell zieht den Antrag in einer seiner ersten Amtshandlungen wieder zurück. 2011 tauchte schließlich ein neuer Zeuge auf, der Jens Söring entlastet. Am 24. Juli 2011 wird sein Antrag auf Bewährung trotz der neuen Erkenntnisse zum siebten Mal abgelehnt. Die Begründung lautet, er sei ein Risiko für die Gesellschaft. Eine Bewährungsstrafe hätte die sofortige Abschiebung in die Heimat zur Folge gehabt. Dies scheint mit aller Macht verhindert werden zu wollen.

1161655 – Das ist seine Nummer

Häftling Nummer 1161655 ist ein Musterhäftling. Er hat sich in den 26 Jahren Gefängnis nichts zu schulden kommen lassen. 1161655 – Das ist seine Nummer, die Nummer mit der Jens Söring als Gefängnisinsasse Virginias registriert ist. Prozentual ist der Anteil der in den USA inhaftierten Bevölkerung weltweit am größten. Fast jeder hundertste sitzt hinter Gittern. Die Bedingungen sind schlecht: Enge, Gedrungenheit, Macht ausspielende Gefängniswärter, die Diskriminierung, Rassismus, Gewalt. Der Gedanke an ein Steak löst bei Jens nach Jahrzehnten von Gefängnisessen schon lange nichts mehr aus. Viele Insassen werden verrückt aus Hoffnungslosigkeit oder Monotonie. Was Jens vor dem Verrücktwerden gerettet hat, ist das Schreiben und der Kampf um Freiheit, jeden Tag aufs Neue. Mittlerweile hat er 8 Bücher geschrieben. Fünf davon englischsprachig, vier deutsch, sein Werk „Ein Tag im Leben des 179212“ erschien in beiden Sprachen. Er erzählt von seinem Schicksal, seinem Leben im Gefängnis, seiner Wut. All seine Gefühle packt er dort hinein. „Emotionen im Gefängnis zeigen ist gefährlich“, es bedeutet Schwäche. Er schreibt ganz altmodisch mit Stift und Papier, er besitzt weder einen Computer mit Internet-Zugang, noch eine E-Mail-Adresse, auch mit einem Handy telefoniert hat er noch nie. Seine fertigen Texte schickt er Freunden, die sie dann veröffentlichen. Sie haben auch eine Website für ihn eingerichtet. Hier bloggt Jens fast regelmäßig. Zusätzlich schreibt er einen Newsletter, den seine Freunde über den „Freundeskreis Jens Söring“ verschicken. Sogar eine Facebook-Page haben sie für ihn eingerichtet.

Das Ziel ist auf seine Situation aufmerksam zu machen und so viele Leute wie möglich zu mobilisieren, außerdem er hofft  auf politische Hilfe aus dem fernen Deutschland. Für ihn und seine Freunde ist klar: Er wird nie und nimmer aufgeben.
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