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Jens Söring im Interview mit dem Droemer Knaur Verlag

(Droemer Knaur Verlag, März 2012, Link)


Zu Jahresanfang verbot man Jens Söring plötzlich das Geben von Interviews. Jetzt hat es doch noch geklappt. Söring hat keinen Internetzugang - per Brief hat er unsere Fragen beantwortet, über sein Leben, seine Arbeit, seine Hoffnungen und seine Freunde.


Wie sind Sie in diese Situation geraten?

Letztlich durch meine eigene Dummheit. Zu den frühen Morgenstunden des 31. März 1985 gestand meine damalige Freundin Elizabeth Haysom mir, dass sie ihre Eltern ermordet habe – unter Drogeneinfluss, weil sie sie angeblich sexuell misshandelt hatten. Wenn ich ihr nicht helfen würde, dann würde man sie im elektrischen Stuhl hinrichten, "braten", sagte sie mir.
Zu diesem Zeitpunkt hätte jeder halbwegs normale Mensch die Polizei angerufen. Ich tat es nicht, und das ist allein meine Schuld. Statt den Doppelmord den Behören zu melden, entschloss ich mich, die Täterin – meine Freundin, die ich innig liebte – vor der Hinrichtung im elektrischen Stuhl zu retten.
Das war schon schlimm genug. Noch schlimmer, noch dümmer war die Art und Weise, in der ich meine Freundin Elizabeth retten wollte: indem ich die Schuld auf mich selber lud, also ein falsches Geständnis ablegte. So wie Charles Darnay in dem Dickens-Roman "Eine Geschichte aus zwei Städten". Ich hielt mich selber für einen Held, aber ich war tatsächlich nur ein unglaublich naiver, wohlmeinender Idiot.

Wer hilft Ihnen, wer steht Ihnen bei?

Durch meine schriftstellerische Arbeit – „Nicht schuldig!“ ist mein achtes Buch – habe ich große Freundeskreise in den USA und vor allem in Deutschland gewonnen. Auf meiner Website, www.jenssoering.de, unter "Kontakt", finden Sie die 15 oder 20 Mitglieder des "inneren Kreises" meines Freundeskreises – jene, die besonders aktiv sind, und die ich schon seit Jahren kenne. Allerdings sind das natürlich bei Weitem nicht alle, und keine meiner amerikanischen Unterstützer stehen auf der deutschen Website.
Meine erste und vielleicht immer noch wichtigste Unterstützerin ist die ehemalige stellvertretende Generalstaatsanwältin (Deputy Attorney General) von Virginia, Gail Starling Marshall, die in fast allen deutschen TV-Dokus über meinen Fall zu sehen ist. Sie hat sich jahrelang vor Gericht bemüht, mich zu befreien, hat auch viele neue Beweise entdeckt – weil sie nach langen Recherchen zum Schluss kam, ich sei unschuldig. Dass eine so wichtige Person, dazu noch von der "Gegenseite" (Generalstaatsanwältin), mich für unschuldig hält – das bedeutet schon etwas.

Gibt es Hoffnung auf Freilassung und eine Rückkehr nach Deutschland?

Ja, aber nur wenn sich die deutsche Politik für mich auf höchster Ebene einsetzt.
Im vergangenen Jahr wurden viele Dokus im deutschen TV gezeigt, in denen die neuen Beweise in meinem Fall vorgestellt wurden: 1. neue DNS-Tests, die beweisen, dass 11 Blutspuren am Tatort definitiv NICHT von mir stammen – mein DNS-Profil wurde NIRGENDWO gefunden; 2. ein neuer Zeuge, der meine Freundin Elisabeth mit einem blutigen Messer sah – und einem Mann, der definitiv NICHT ich war. In vielen anderen US-Bundesstaaten hätte das gereicht, um mich zu befreien.
Aber in Virginia läuft gerade der US-Senatswahlkampf zwischen Timothy Kaine (Demokrat) und George Allen (Republikaner). Am 19. Januar 2012 hielten George Allens republikanische Unterstützer eine telefonische Pressekonferenz, um bekannt zu geben, dass sie mich als Wahlkampfthema instrumentalisieren würden. Denn vor 2 Jahren hatte Kaine versucht, mich nach Deutschland zu überstellen. Dies wird ihm nun als "Weichheit" gegenüber der Kriminalität ausgelegt. Ich werde als Monster portraitiert – welches Kaine befreien wollte. Ich bin also zum Spielball der Lokalpolitiker geworden. Deshalb bleiben juristische und sachliche Argumente wirkungslos. Ob die neuen DNS-Tests und der neue Zeuge ausreichend Zweifel an meiner Schuld begründen, interessiert hier niemanden. Das einzig Wichtige ist, ob und wie man mich als Wahlkampfthema einsetzen kann. Das ist schon sehr, sehr ungewöhnlich.

Weil mein Fall von den Republikanern restlos politisiert worden ist, kann er nur noch politisch gelöst werden. Und zwar auf höchster Ebene. Glücklicherweise hat mein deutscher Freundeskreis gute Kontakte zu vielen deutschen Politkern, auch dem Bundeskanzleramt, aufgebaut. Nun versucht mein Freundeskreis, Berlin davon zu überzeugen, dass dem guten Willen – der durchaus vorhanden ist – auch Taten folgen müssen. Denn ohne Hilfe aus Berlin komme ich hier nie frei.
Der Schlüssel zu meiner Freiheit liegt in Berlin. Er kann das Schloss in Virginia aufschließen. Man muss ihn nur benutzen wollen.

Wie haben Sie es geschafft, Ihre Geschichte im Gefängnis aufzuschreiben, wie müssen wir uns das konkret vorstellen?

Ganz ähnlich, wie ich diese Antwort auf Ihre Frage gebe! Ich schreibe den Text mit Kuli auf Papier, denn Schreibmaschinen dürfen wir Insassen seit 1996 nicht mehr besitzen. Dann schicke ich den Text an jemanden in der Außenwelt, meistens ein Mitglied meines Freundeskreises, um ihn tippen zu lassen. Der getippte Text wird dann an mich zurückgeschickt, zum Gegenlesen – aber nur 4 Blatt Papier pro Umschlag, laut Gefängnisregel! Nach der Korrektur geht das Manuskript an den Verlag, wo eine Lektorin – in meinem Fall die wunderbare Frau Hess – Änderungen vornimmt. Dann wird mir der Text erneut zugeschickt zum Gegenlesen, und auch die schicke ich dem Verlag zurück. Zuletzt schickt man mir die Fahnen, wieder zum Gegenlesen, und auch die schicke ich dem Verlag zurück. Wenn das Buch dann fertig ist, kann es mir aber nicht zugeschickt werden, denn seit 1996 ist alles fremdsprachige Lesematerial verboten – inklusive mein eigenes Buch! Also werde ich „Nicht schuldig!“ nie in meinen Händen halten dürfen.

Wie können Sie aus Deutschland (von uns) unterstützt werden?

In meiner Antwort auf Frage 3 habe ich erklärt, dass sachliche und juristische Argumente wirkungslos bleiben müssen, weil republikanische Politiker öffentlich bekannt gegeben haben, dass sie mich im US-Senatsrennen Kaine - Allen als Wahlkampfthema instrumentalisieren wollen. Mein Fall kann also nur noch durch politische Intervention von Berlin gelöst werden. Dort liegt der Schlüssel zu meiner Freiheit.
Mein deutscher Freundeskreis hat bereits etwa 50 Mitglieder des Bundestags und 4 Bundesminister, sowie das Bundeskanzleramt, über meinen Fall ausgiebig informiert. Von allen Seiten, auch allen Parteien, habe ich viel Anteilnahme erfahren. Dafür bin ich sehr dankbar!
Der nächste Schritt ist, dass dem guten Willen nun Taten folgen müssen – sonst komme ich nie frei. Dabei können Leser von "Nicht schuldig!" tatkräftig mithelfen!
Zuallererst sollten alle Leser, die mir helfen wollen, meine Website www.jenssoering.de besuchen. Ich bitte dann, sich auf der "Kontakt" Seite für meinen Newsletter zu registrieren. Dann wäre es eine gute Idee, sich auf der "Politik 2012" Seite (unter "Information") über die neuesten Entwicklungen zu informieren. Zuletzt bitte ich dann, die "Mithelfen!" Seite zu besuchen.
Dort gibt es genaue Anleitungen, wie man Gesprächstermine mit Mitgliedern des Bundestags bucht, was man den MdBs sagt, und worum man bitten sollte. Auch gibt es dort Erfahrungsberichte und Tipps von anderen Mitgliedern des Freundeskreises, die sich mit verschiedenen MdBs getroffen haben. (Mehrere meiner Unterstützer haben 2 oder 3 MdBs in ihren Bürgerbüros aufgesucht.) Dies ist demokratische "grass roots" - Arbeit, die auch Wirkung zeigt. Viele MdBs freuen sich über Gespräche, bei denen es nicht um Finanzierung von Schwimmbädern geht, sondern um einen interessanten (na ja!) Menschenrechtsfall.
Ein Brief an die Bundeskanzlerin kann auch nie schaden. Aber in der Vergangenheit hat der Freundeskreis so etwas immer über Briefwellen organisiert, so zum Beispiel im Juni 2011, als rund 1.000 Briefe ans Bundeskanzleramt gingen. Um bei zukünftigen Briefwellen mitzumachen, bitte melden Sie sich für den Newsletter (unter "Kontakt")!
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