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Lebenslänglich heißt hier lebenslänglich


(von Rupert Sommer, Wiesbadener Tagblatt, 31. Mai 2011, Originalartikel)


„Es ist ganz klar“, sagt der noch immer jugendlich wirkende Mann mit der Hornbrille im ZDF-Interview, „wenn man in den USA lebenslänglich verurteilt wurde, soll man im Gefängnis sterben.“ Jens Söring, der heute 44-jährige Diplomaten-Sohn, macht sich über die Entschlossenheit der US-amerikanischen Rechtssprechung keine Illusionen.

Seit 25 Jahren sitzt er als wohl prominentester deutscher Staatsbürger in den USA hinter Gittern. Er wurde nach einem live im Fernsehen übertragenen, umstrittenen Gerichtsprozess wegen Doppelmordes verurteilt. Die zahlreichen zurückgewiesenen Gnadengesuche und alle juristischen Bemühungen, seine Unschuld, die Söring immer wieder beteuert, zu belegen, füllen mittlerweile ganze Regalwände. Der Washington-Korrespondent Ulf-Jensen Röller hat für die Reportagereihe „ZDFzoom“ den „Häftling 179212“ im Buckingham Correctional Center im Bundesstaat Virginia besucht. Das Interview kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Erneut läuft ein Antrag, Söring doch noch nach Deutschland ausliefern zu lassen.

Was sich genau im März 1985 ereignet hatte, ist bis heute ungeklärt: Fest steht, dass Derek und Nancy Haysom, die Eltern der Studentin Elizabeth Haysom, in die sich Söring verliebt hatte, ermordet wurden. Am 30. April 1986 wurde das Pärchen in London verhaftet und Söring nach juristischem Tauziehen an die USA ausgeliefert. Angeblich um seine Freundin vor der Todesstrafe zu schützen, gestand der damals 19-jährige Deutsche, der mit Elizabeth an der University of Virginia studiert hatte, den Mord den Behörden. Als Diplomatenkind hatte er darauf spekuliert, dass er in den USA nicht belangt, sondern nach Deutschland ausgeliefert würde, wo ihm nach seiner Ansicht höchstens eine Jugendstrafe drohte. Doch dann widerrief er sein Geständnis wieder - und wurde lebenslänglich verurteilt. Seit 25 Jahren sitzt Söring, der sich mit seiner alten Hornbrille und seinem jugendlichen Auftreten noch immer kleidet wie zu Zeiten seines Gerichtsprozess, hinter Gittern. Dort konvertierte er zum katholischen Glauben und hat bereits sieben Bücher über das seiner Ansicht nach höchst fragwürdige US-Rechtssystem, aber auch über religiöse Themen verfasst. Immer wieder gibt er amerikanischen und deutschen Medien Interviews zu seinen zahlreichen Gnadengesuchen, die bislang alle abgelehnt wurden. Jeden Tag kämpft er um seine Freilassung: Die Pressevertreter wie der ZDF-Auslandskorrespondent Ulf-Jensen Röller sind seine einzige Hoffnung, doch noch Gehör zu finden.

Tatsächlich unterliefen den Strafverfolgern im Prozess schwere Verfahrensfehler. Alte Spuren wurden in einem aufwendigen DNA-Test neu bewertet - mit schockierendem Ergebnis: 42 Blutspuren wurden gefunden, keine davon passt zu Jens Söring. Das „ZDFzoom“-Team konfrontierte den seinerzeit ermittelnden Sheriff mit den neuen Fakten und stellt auch kritische Fragen zum US-Rechtssystem. Ob der Bericht Söring helfen wird, ist unklar: Derzeit laufen aktuelle Klagen, die auf eine Auslieferung des Deutschen in seine Heimat abzielen. Dort könnte er wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen werden - und eben nicht bis ans Ende seiner Tage hinter Gittern bleiben, wie ihm das in den USA droht. „Lebenslänglich heißt hier lebenslänglich“, sagt Söring bitter.
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