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Regierung muss mehr tun

(von Benjamin Schuke, Publik-Forum, Ausgabe Nr. 21/2012, 11. November 2012, Link)


Das Gnadengesuch für Jens Söring ist abgelehnt worden. Was nun? Fragen an den Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer.

Publik-Forum:  Jens Söring ist ein Deutscher, der zunächst vier Jahre in England im Gefängnis saß und danach, seit nunmehr 22 Jahren, in den USA inhaftiert ist. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit seiner Freundin deren Eltern ermordet zu haben. Viele halten ihn für unschuldig. Warum engagieren Sie sich für Söring?
Christoph Strässer:  Ich bin durch Zufall darauf aufmerksam geworden. Eine junge Studentin hier aus meinem Wahlkreis hatte mich angerufen und mir den Fall geschildert. Das ist jetzt zwei Jahre her. Je länger ich mich mit dem Fall Jens Söring beschäftige, desto unbegreiflicher wird mir das alles.

Halten Sie ihn für unschuldig?
Das kann ich nur schwer beurteilen. Es gibt Indizien, die darauf schließen lassen, dass er zu dem Zeitpunkt, als die Eltern seiner Freundin ermordet wurden, nicht am Tatort war. Für mich stellt sich aber eine andere Frage: die nach der Gnade und der Menschenwürde. Ein Mensch, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, muss nach einer gewissen Zeit die Chance auf ein Leben außerhalb des Gefängnisses bekommen, wenn feststeht, dass er keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit darstellt.

Es gibt eine Initiative, die sich für Söring einsetzt und fordert, dass er nach Deutschland überstellt wird. Ist das realistisch?
Es gab jetzt ein achtes Gnadengesuch. Wenn man sehr optimistisch ist, kann man im Wortlaut des Ablehnungsbescheides einen gewissen Fortschritt erkennen. Bisher hieß es immer, wegen der Schwere der Schuld könne er nicht freigelassen werden. Nun heißt es: »Gegenwärtig« könne er »noch« nicht freigelassen werden.

Ist es nicht merkwürdig, dass die USA, die sich in anderen Ländern für Menschenrechte einsetzen, in diesem Fall derart blockieren?

Ja, das ist in der Tat merkwürdig. Deshalb ist Engagement nötig. Auch aus dem Grund, weil unser westliches Verständnis von Rechtsstaat und Menschenwürde für die ganze Welt vorbildhaft sein sollte. In Deutschland wird nach 15 Jahren überprüft, ob ein Häftling freigelassen werden kann, wenn von ihm keine Gefahr mehr ausgeht. In den USA dagegen gibt es ein fundamental anderes Verständnis des Rechtsstaates. Jens Söring war mehr oder weniger Spielball der Politik. In Virginia gibt es eine breite Bewegung, die der Meinung ist, dass ein Mensch, dem vorgeworfen wird, einen anderen ermordet zu haben, nie wieder auf freien Fuß kommen sollte. Das ist auch das, was ich an diesem System nicht verstehe: Selbstverständlich muss für den Schutz der Opfer und ihrer Angehörigen gesorgt werden, auch Strafe muss sein. Aber nach dreißig Jahren im Knast muss es dann auch gut sein.

Was tun Sie konkret für Herrn Söring?
Ich habe 53 Bundestagsabgeordnete dazu angeregt, Briefe an den Gouverneur von Virginia zu schreiben. Denn es gab im Gerichtsverfahren viele Beweise, die einfach nicht zur Kenntnis genommen wurden. Ich hoffe, dass unser Engagement doch noch Wirkung zeigt. Wünschenswert wäre es, auch die Bundesregierung würde aktiver werden. Wenn jemand 26 Jahre gesessen hat und die stille Diplomatie nicht funktioniert hat, dann muss man eben auch lauter werden.

Interview: Benjamin Schuke
Christoph Strässer, geboren 1949, ist Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion. Er setzt sich für Jens Söring ein, der in den USA im Gefängnis sitzt.
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