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Republikaner hoffen, Kaine mit dem Fall um den Mörder Jens Söring ins Wanken zu bringen; Demokraten sehen der Kampfansage gelassen entgegen

(von Bob Lewis, The Washington Post, 29. Januar 2012
Übersetzung des Originalartikels)


RICHMOND, Virginia – Tim Kaine, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaates Virginia, und aktueller Kandidat für den US-Senatorposten scheint im aktuellen Wahlkampf von einer Entscheidung eingeholt zu werden, die er an seinem letzten Tag im Gouverneursamt traf: Damals hatte er hinter verschlossenen Türen der Haftüberstellung des geständigen Doppelmörders Jens Söring in sein Heimatland Deutschland – und damit dessen potentieller Entlassung in die Freiheit – zugestimmt.
Die Republikaner Virginias wollen nun den Fall Jens Söring für Kaine zu dem machen, was der Willie-Horton-Fall für den Demokraten Michael Dukakis und dessen glücklose Präsidentschaftskandidatur im Jahr 1988 war.

Christopher J. LaCivita, republikanischer US-Wahlkampfstratege und langjähriger Verbündeter des republikanischen Spitzenkandidaten George Allen, erklärt, der Fall sei ein aufschlussreicher Beweis für Kaines mangelnde Urteilsfähigkeit – nicht nur die Entscheidung im Januar 2010, sondern die immer wieder neuen Erklärungen, die er seitdem zu dem Fall vorgebracht habe.

Bei den unabhängigen Wählern, die von sich sagen, sie wählen nicht die Partei sondern die Person, erweckt Kaines Entscheidung im Fall Jens Söring Zweifel an seiner Persönlichkeit, so LaCivita, Drahtzieher der sogenannten „Swift Boat Veterans for Truth“-Offensive (Anm. d. Ü.: Das „Swift Boat Veterans for Truth“ war eine Gruppierung ehemaliger US-amerikanischer Soldaten, die im Einsatz in Vietnam waren und sich im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2004 gegen den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, John Kerry, aussprachen, Quelle: wikipedia) gegen den Demokraten John Kerry im Präsidentschaftswahlkampf Bushs im Jahr 2004.

„Die Entlassung eines verurteilten Doppelmörders am letzten Tag seiner Amtszeit als Gouverneur, die dramatischen Hintergründe der Tat, die Brutalität des Verbrechens und die Art und Weise, wie der Transfer mit der Regierung in Washington vereinbart wurde– es gibt so viele unbeantwortete Fragen”, so LaCivita.

Jens Söring, Sohn eines deutschen Diplomaten, und seine damalige Freundin Elizabeth Haysom haben gestanden, im Jahr 1985 ihre Eltern Derek and Nancy Haysom in deren Haus in Bedford County erstochen und fast enthauptet zu haben. Der grausame Mord hatte damals in der gesamten Region Entsetzen ausgelöst.

Das junge Paar floh aus den USA und reiste gemeinsam durch Europa, bis sie schließlich in London festgenommen wurden. Beide haben die Tat gestanden, aber Söring versuchte später, sein Geständnis zu widerrufen. Als Begründung trug er vor, er habe ein falsches Geständnis abgelegt, um Elizabeth Haysom vor der Todesstrafe zu bewahren, weil er annahm die diplomatische Immunität seines Vaters würde es ihm ermöglichen als freier Mann nach Hause zurückzukehren.

Söring verbüßt aktuell eine zweimal lebenslängliche Haftstrafe. Sein Antrag auf Bewährung wurde sieben Mal abgelehnt, inklusive Kaines Ablehnung eines Gnadengesuchs. Am nächsten kam er der Freiheit, als Kaine im Geheimen das Justizministerium ersuchte, ihn in ein Gefängnis in Deutschland zu überführen, aus dem er nach nur zwei weiteren Jahren Haft freigekommen wäre.

Die Geschichte kam ans Licht, als McDonnell das Amt des Gouverneurs von Virginia übernahm, als eine seiner ersten Amtshandlungen Kaines Gesuch aufhob und so Sörings Überführung stoppte.

Kurz nach Ende seiner Amtszeit als Gouverneur äußerte sich Kaine – nun Vorsitzender der demokratischen Partei – in einem Interview in der Richmond Times-Dispatch zu dem Fall. Abgesehen davon hüllte er sich 15 Monate lang in Schweigen, bis er schließlich in den Wahlkampf um den US-Senatorposten einzog und der Fall ihn umso heftiger einholte.

Zunächst berief er sich auf Kosteneinsparungen.

„Meine Grundüberlegung war: Die Steuerzahler des Bundesstaates Virginia haben mehr als 20 Jahre lang die Kosten für die Inhaftierung dieses deutschen Staatsbürgers getragen. Ich dachte, es wäre an der Zeit für die Deutschen, diese Kosten zu übernehmen”, erklärte Kaine den entgeisterten Reportern bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur im April.

Einen Monat später ließ er in einem Interview in der Associated Press verlauten, er habe geglaubt, sein Weg als Politiker sei vorbei, als er sich für Sörings Überführung aussprach.

„Ich dachte ehrlich nicht, dass ich meinen Namen noch einmal auf einem Wahlzettel sehen würde”, so Kaine.

Im Rahmen der im Dezember im Kapitol ausgetragenen AP-Wahlkampfdebatte zwischen Kaine und Allen erklärte Kaine wiederum, er habe dem Transfer zugestimmt, weil damit einherging, dass Söring niemals wieder in die USA zurückkehren hätte können. Robert D. Holsworth, pensionierter Politik-Professor der Virginia Commonwealth University, nannte dies den schwächsten Moment in einer ansonsten erstklassigen Debatte für Kaine.

Hätte sich Kaine auch für Sörings Überführung nach Deutschland ausgesprochen, wenn er nicht laut Verfassung des Bundesstaates Virginia von der Wiederwahl als Gouverneur ausgeschlossen gewesen wäre? In einem Interview mit der AP am Freitag ließ er diese Frage unbeantwortet.

„Ich habe mich bei keiner meiner Entscheidungen leicht getan … und jede meiner Entscheidungen nach bestem Wissen gefällt”, antwortete er. „Auch in meinen letzten Monaten im Amt habe ich mich meinen Gouverneursamt voll und ganz verpflichtet gefühlt.”

„Derartige Ausflüchte sind genau der Nährboden, den ein aggressiver, persönlich geführter Wahlkampf, wie er heutzutage in Amerika zum ganz normalen Wahlkampfalltag gehört, braucht“, kommentiert LaCivita.
„Sehen Sie sich die Fakten an: das Verbrechen selbst, Kaines Verhalten und seine öffentlichen Aussagen dazu – das hier ist sein persönlicher Willie Horton, es liegt doch auf der Hand“, sagt LaCivita. „Man muss kein Wissenschaftler sein, um das zu erkennen.“

Allerdings gibt es gravierende Unterschiede zwischen den deutschen Staatsbürger Jens Söring und Willie Horton, einem Schwarzen aus Massachusetts, der eine weiße Frau vergewaltigte, als er im Rahmen des von Dukakis unterstützten Wochenend-Freigangprogramms auf Hafturlaub war. Die Instrumentalisierung des Horton-Falls gegen Dukakis erlangte vor allem wegen seiner rassistisch aufgeladenen Botschaft an die Wähler traurige Berühmtheit, brachte George H. W. Bush im Wahlkampf um das Präsidentenamt, 1988 aber letztlich den erwünschten Erfolg.

Steve Jarding, Parteistratege der Demokraten, der schon Jim Webb und Mark Warner in Virginia zum Wahlsieg führte und heute Professor für Politologie an der Kennedy School of Government der Harvard University ist, weist darauf hin, dass es für die Republikaner durchaus riskant ist, den Fall Söring gegen Kaine einzusetzen. Schließlich stünden sie einer Wählerschaft gegenüber, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz macht, beiden Parteien gegenüber generell eher skeptisch ist und eigentlich einen Hoffnungsträger abseits von parteipolitisch geprägten Rufmord-Kampagnen sucht.
„Ich rate zur Vorsicht“, so Jarding, „Ein solches Thema passt eher in Zeiten, in denen die wirtschaftliche Situation insgesamt gut ist und der Kongress funktioniert.“

Was passiert, wenn man sich zu weit aus dem Fenster lehnt, musste schon der Republikaner Jerry W. Kilgore im Gouverneursrennen von 2005 erfahren, der seinem Mitbewerber Kaine einen zu milden Umgang mit Kriminalität vorwarf, weil dieser aufgrund seines römisch-katholischen Glaubens moralische Einwände gegen die Todesstrafe hatte. Eine der Schmutzkampagnen zeigte den trauernden Vater eines Mordopfers, der sagte, dass er Kaine nicht zutraute, die Todesurteile zu vollstrecken und dass Kaine sogar Adolf Hitler die Todesstrafe erspart hätte. Die Kampagne wurde in der Presse massiv verurteilt. Jüdische Rabbis kritisierten, der Vergleich würde den Holocaust verharmlosen. In der Folge gingen die Umfragewerte Kilgores, der sich mit dieser Kampagne selbst ein Bein gestellt hatte, in den Keller.

In Kaines Amtszeit wurden elf Häftlinge hingerichtet.

Bob Lewis schreibt seit 2000 über die Regierung und Politik in Virginia.
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