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Seit 26 Jahren in US-Gefängnis: Freiheits-Kampf hinter Gittern

(OÖ Nachrichten, 24. März 2012, Link)


Jens Söring aus Deutschland verbüßt nach einem Doppelmord eine lebenslange Strafe in den USA. Seit 26 Jahren beteuert er seine Unschuld.


Das Leben von Jens Söring (46) ist ein Kampf an vielen Fronten, in einer feindseligen Umgebung. Ein Kampf gegen die amerikanische Justiz. Ein Kampf gegen brutale Mitgefangene. Ein Kampf gegen Lebensmüdigkeit. Ein Kampf für Gerechtigkeit.

Der deutsche Diplomatensohn sitzt seit 26 Jahren in Hochsicherheitsgefängnissen im Bundesstaat Virginia – zu Unrecht, wie der Schriftsteller in seinem neuesten Buch „Nicht schuldig – Wie ich zum Opfer der US-Justiz wurde“ – auf knapp vierhundert Seiten überzeugend darlegt.

Im Alter von 18 Jahren steht dem hochbegabten jungen Mann die ganze Welt offen. Er hat ein Stipendium erhalten – auf Jens Söring warten auf dem Uni-Campus nicht nur Professoren und Kurse, sondern auch die süßen Seiten des Lebens. Auf- und erregend findet der junge Deutsche vor allem den Anblick von Elizabeth Haysom, Tochter aus einer alteingesessenen Familie im Bundesstaat Virginia. Die 20-Jährige hat Charisma, ihre Kollegen folgen ihr willfährig, wie die Kinder dem Rattenfänger von Hameln. Haysom raucht, nimmt Drogen, hat ein englisches Elite-College sausen lassen, tischt ihren Zuhörern die abenteuerlichsten Geschichten auf. Söring ergeht es wie Odysseus bei den Sirenen, nur dass der junge Mann sich nicht in weiser Voraussicht an den Schiffsmast gefesselt hat. Der schüchterne, naive 18-Jährige verfällt seiner Angebeteten mit Haut und Haaren. Zum Ärger der Rivalen entscheidet sich die Sirene tatsächlich für den schüchternen, naiven Diplomatensohn. Die beiden verbringen jede freie Minute miteinander. Söring schreibt von der schönsten Zeit seines Lebens – erst in Haft erkennt er. „Ich war nicht mehr ich selbst.“

Söring gesteht Mord

Für die Liebe von Haysom tut Söring alles, wirft den Hausverstand über Bord, gibt seine Eigenständigkeit auf, lässt sich belügen, verschließt die Augen vor Warnhinweisen. Eines Nachts steht die Freundin blutverschmiert vor ihm und gesteht: „Ich habe im Drogenrausch meine Eltern umgebracht.“ Um Elizabeth Haysom vor dem elektrischen Stuhl zu bewahren, gesteht Jens Söring den Ermittlern die Tat. Er nimmt fälschlicherweise an, dass er durch den Diplomatenstatus seines Vaters geschützt ist und lediglich eine mehrjährige Jugendstrafe in Deutschland absitzen muss. Ein fataler Irrtum, so wie die bedingungslose Liebe zu Elizabeth Haysom.

Nur ein Richter-Spruch am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verhindert, dass Söring auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wird. In seinem Prozess wird der Deutsche schließlich zu zwei Mal lebenslänglicher Haft verurteilt, obwohl er sein Geständnis widerrufen hat, im Verfahren viele Widersprüchlichkeiten aufgetaucht sind, der Richter befangen war. Doch für die Öffentlichkeit und die Geschworenen steht fest: „Das German Monster“, wie Söring genannt wird, ist schuldig.

Bis heute beteuert Jens Söring seine Unschuld, kämpft verbissen um seine Freiheit. Bislang fruchteten weder Bewährungs-Gesuche noch neue DNA-Beweise und Zeugen etwas. Der republikanische Gouverneur wirbt mit dem Wahlspruch. „Keine Gnade für Verbrecher“. Dieser Fall ist längst auch zum Politikum geworden. Das deutsche Außenamt, die deutsche Botschaft und ein eigener Jens-Söring-Freundeskreis bemühen sich um eine Haftüberstellung nach Deutschland. „Wer Jens Söring kennengelernt hat, spürt, dass er kein Mörder ist. Wir unterstützen eine gerechte Sache, und ich glaube an ein gutes Ende“, sagt Bernadette Faber, die seit 2007 die Aktivitäten dieses Freundeskreises bündelt und für die Söring ein Vorbild ist, „weil er nicht aufgibt.“

Sprechverbot nach Kritik

Eine Haftüberstellung nach Deutschland brächte Söring vor allem eines: eine Perspektive – eine Chance auf ein Leben außerhalb von Gefängnismauern. „Jeder Tag wird zu einem Wassertropfen wie bei der chinesischen Wasserfolter: Plopp. Plopp. Plopp. Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte macht einen das irgendwann wirklich wahnsinnig“, schreibt Söring, der den täglichen Überlebenskampf in US-Staatsgefängnissen schildert: verzweifelte Häftlinge, die sich wie Bestien gebärden, alltägliche sexuelle Gewalt und korrupte Wächter. Keine Spur von Menschenwürde und Resozialisation.

Als Antwort auf seine Kritik wurde von den Behörden ein Interviewverbot über Söring verhängt. Dabei ist freie Meinungsäußerung ein Grundrecht in den Vereinigten Staaten. Zur Prognose des Langzeit-Häftlings sagt einer seiner deutschen Rechtsanwälte Christian Mensching: „Es ist ein Geduldsspiel, in das jederzeit Dynamik kommen könnte. Wir halten den Ball in der Luft und wollen verhindern, dass Jens Söring in Vergessenheit gerät.“

Jens Söring, Nicht schuldig – wie ich zum Opfer der US-Justiz wurde, Droemer Verlag, 399 Seiten, ISBN 978-3-426-27579-5, 20,60 Euro


3 Fragen an Jens Söring

Wer in Amerika zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt wird, muss wirklich lebenslänglich, also bis zum Tod im Gefängnis schmoren. Wie oft haben Sie daran gedacht, Ihrem Leben ein Ende zu setzen?
Tausende Male. Mehrmals täglich. Jeder amerikanische Lebenslängliche, der halbwegs ehrlich ist, wird Ihnen sagen, dass er selbst ständig an Selbstmord denkt. Denn der Mensch braucht Hoffnung, um überleben zu können. Er muss glauben, dass morgen anders sein könnte als heute. Das ist das wirklich Unerträgliche, ja Tödliche am Lebenslänglich.

Trotz allem bezeichnen Sie sich als Gesegneter. Wieso hat man es nicht geschafft, Ihren Willen zu brechen?
Während meiner ganzen 26-jährigen Haft hat es immer Menschen gegeben, die mich geliebt haben und mir schrieben, mich besuchten, mir halfen. Ich war nie allein und ohne Liebe – im Gegensatz zur überwältigenden Mehrheit meiner Mitgefangenen, die jeden Kontakt zur Außenwelt verloren hatten. Ich bin zu doof um aufzugeben, deswegen bin ich unbesiegbar.

Wie hat Sie der Gefängnis-Alltag verändert?
Ich überrasche mich selbst immer wieder damit, wie bürgerlich und konservativ ich doch denke. Ich sehne mich so sehr danach, mit ordentlichen, anständigen Menschen in Deutschland zu leben. Nicht, dass sie dort alle Engelchen wären, so doof bin ich nicht. (neu)


Parallelen zum Fall "Amanda Knox"

Zum Zeitpunkt ihrer angeblich verübten, brutalen Morddelikte waren sowohl Jens Söring als auch Amanda Knox jung, unerfahren, das erste Mal verliebt, und zum ersten Mal sexuell aktiv. Beide gestanden ihre Schuld in einem ersten Verhör ohne Beisein eines Anwaltes ein. Beide galten als strebsame, naive Studenten. In beiden Fällen kamen die Opfer jeweils durch ein Messer ums Leben. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass Amanda Knox bei ihrem Wiederaufnahmeverfahren in Italien von Politikern und Rechtsanwälten unterstützt worden ist. Nach italienischem Recht durften im neu aufgerollten Verfahren neue Beweise vorgelegt werden. Amanda Knox wurde schließlich freigesprochen. In Virginia verabschiedete 2010 das Repräsentantenhaus hingegen mit 92 zu 0 Stimmen eine Resolution, die den Gouverneur dazu anhält, Jens Söring nie freizulassen.
 

USA: Das Gefängnissystem in den Vereinigten Staaten setzt sich aus Haftanstalten der Bundesregierung und der einzelnen Bundesstaaten zusammen. Neben diesen zivilen Gefängnissen existieren noch etliche Militärgefängnisse.
2,400.000 Häftlinge sitzen in den USA in Haft. Das ist Rekord in der weltweiten Häftlings-Statistik gemessen an der Gesamtbevölkerung. Die Kosten für das Gefängnissystem betragen für alle 50 Bundesstaaten jährlich rund 32 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In Österreich sitzen momentan ungefähr 9000 Menschen im Gefängnis.
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