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Seit Jahrzehnten unschuldig im US-Gefängnis?

(von Katja Goebel, WDR.de, 11. Juni 2012, Link)


Seit 26 Jahren sitzt Jens Söring in einem US-Gefängnis. Verurteilt wurde er wegen Doppelmordes. Doch das Urteil ist umstritten. Der US-Gouverneur, der Sörings Auslieferung verhinderte, ist ab Dienstag (12.06.2012) auf Deutschlandreise - auch in NRW.

Ist Jens Söring Opfer eines Justizirrtums und sitzt zu Unrecht seit Jahrzehnten in einem US-Gefängnis von Virginia? Wieder einmal kommt Bewegung in den Fall Jens Söring. Der Deutsche ist mittlerweile seit 26 Jahren eingesperrt und kämpft seit Jahren vergeblich um seine Freilassung.

Geständnis widerrufen

Ein Rückblick: 1985 wird das amerikanische Industriellenpaar Derek und Nancy Haysom ermordet in der eigenen Wohnung aufgefunden. Zu dieser Zeit ist der 19-jährige Diplomatensohn Jens Söring mit der Tochter der Ermordeten, Elisabeth Haysom, liiert. Als der Verdacht auf Söring fällt, flieht er mit seiner Freundin nach England und wird ein Jahr später nach einem Scheckbetrug verhaftet. Als er zu dem Mordfall Haysom verhört wird, gesteht Söring die Tat und wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Auch seine Freundin muss ins Gefängnis. Später zieht Söring sein Geständnis zurück. Er habe seine Freundin vor der Haft und einem möglichen Todesurteil bewahren wollen und gehofft, als Diplomatensohn vor der Strafe geschützt zu sein, gibt er zu Protokoll. Seitdem beteuert Söring seine Unschuld.

Tatsächlich ist das Urteil höchst umstritten. So habe Sörings damaliges Geständnis nicht mit den Ermittlungsergebnissen am Tatort übereingestimmt, verkündete seine US-Anwältin 2011. Auch gebe es mittlerweile, dank modernster Technik, entlastende DNA-Analysen, und auch ein neuer Zeuge ist unlängst aufgetaucht, der Elisabeth Haysom nach der Tat mit einem anderen Mann gesehen haben will.

Klage gegen Gouverneur

Ginge es nach den deutschen Behörden, wäre Söring längst nach Deutschland ausgeliefert worden. Doch bislang scheiterten alle Versuche. Zwar hatte 2010 der damals amtierende demokratische Gouverneur Tim Kaine bereits einer Überstellung nach Deutschland zugestimmt. Doch Kaine wurde von seinem republikanischen Gegenspieler Bob McDonnell als Gouverneur abgelöst, und dieser hob die Zustimmung prompt wieder auf.

Der US-Anwalt Sörings führt gerade eine Klage gegen McDonnell. Am 26. Juni 2012 ist dazu nun in den USA eine mündliche Verhandlung angesetzt. "Der Rechtsstreit in Virginia dreht sich um die Frage, ob der Gouverneur die Kompetenz hat, eine einmal geklärte Zustimmung zu widerrufen", sagt Sörings Anwalt Christian Mensching aus Bonn gegenüber WDR.de. Die Haftüberstellung sei unabhängig von der Schuldfrage, zentrales Anliegen sei, dass Jens Söring nach Deutschland zurückkehren kann, so Mensching. "Andere Ansätze werden aber parallel verfolgt. So könnten die weiteren Zweifel an der Schuld, wie der neue Zeuge und die entlastenden DNA-Ergebnisse, ein Grund sein, die strafrechtliche Verurteilung nochmals zu überprüfen." Ein anderer wichtiger Termin findet laut Mensching im September 2012 statt. Dann tritt der Bewährungsausschuss von Virginia zusammen. Die Mitglieder wollen sich den Fall noch einmal anschauen und entscheiden, ob Söring auf Bewährung aus der Haft entlassen werden kann.

"Zu viel Druck ist unklug"

Söring hat in Deutschland einige Mitstreiter, die sich zu einem "Freundeskreis" zusammengeschlossen haben, um Solidarität mit dem Inhaftierten zu zeigen. Es sind Menschen, die Sörings Schicksal seit Jahren verfolgen und in regem Kontakt mit ihm stehen. Mit Briefen, die sie an Politiker, Abgeordnete, Botschaftsmitarbeiter und Diplomaten schicken, wollen sie auf Sörings Fall aufmerksam machen und auch den Druck auf den Gouverneur von Virginia erhöhen. Dieser wird am Dienstag (12.06.2012) in Deutschland erwartet. Bei seiner Reise will er Kontakt zu hiesigen Wirtschaftsunternehmen knüpfen. Eine Station liegt in NRW, in Gütersloh will der US-Politiker den Bertelsmann-Verlag besuchen. Ob dabei der Fall Söring zur Sprache kommt, ist allerdings fraglich.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Bayer aus Heiligenhaus kennt die Briefe der Söring-Unterstützer. Der gelernte Jurist aus dem Ruhrgebiet hat Söring vor wenigen Tagen in den USA besucht. Bayer ist Berichterstatter für transatlantische Beziehungen im Auswärtigen Ausschuss. "Mich interessiert der Fall nicht nur juristisch, ich spüre als deutscher Abgeordneter da auch eine Verantwortung", sagt Bayer. Der Fall sei aber juristisch höchst komplex und politisch delikat. Schon deshalb hält Bayer nichts davon, öffentlich Briefe zu überreichen und den US-Gouverneur vorzuführen. "Wenn sich McDonnell nicht zu seiner Entscheidung bekennen würde, wäre er ein schwacher Politiker." Zuviel politischer Druck wäre unklug, findet Bayer und setzt da lieber auf Diplomatie.

Söring: "Angst vor der Zukunft"

Und Söring selbst? Der schreibt in der Haft Bücher und verfasst für eine eigene Homepage handschriftliche Newsletter, die seine Mitstreiter in Deutschland für ihn abtippen und ins Netz stellen. Sein Eintrag vom 1. Mai 2012: "Ich fühle mich einfach benommen... und vielleicht auch etwas schwindelig. Ich blicke zurück auf 9.862 Tage Haft... und ich blicke vorwärts in eine Zukunft, vor der ich schlicht Angst habe."
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