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Sheriff fordert Freiheit für in den USA inhaftierten Deutschen Jens Söring

(von Karin Steinberger, Süddeutsche Zeitung, 4. Mai 2017, Link)
 

Als Sheriff Chip Harding, ein Mann mit eisig blauen Augen, zuständig im County of Albemarle, am 2. Mai seinen Brief an den Gouverneur von Virginia schickte, wusste er, was kommen würde. In seinem Brief fordert er die Freilassung des Gefangenen 1161655. Jens Söring, der 1985 die Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom ermordet haben soll, sei fälschlicherweise verurteilt worden, schreibt der Sheriff. Seitdem ist nicht nur bei ihm im Büro die Hölle los.

Wer Harding am Telefon erreicht, hat Glück oder eine Verabredung, er hat gerade wenig Zeit. Am Tag der Veröffentlichung seines Briefes allein kamen sieben Fernsehstationen für ein Interview. Und es geht weiter. Er hatte noch gar keine Zeit, sich die Hasskommentare durchzulesen, die sich im Internet sammeln. Sein Sohn hat ihm davon erzählt: Was zum Teufel macht dieser Sheriff? Der Sheriff lacht.

Ob er mit diesem Hass gerechnet hat? Natürlich, sagt Harding. Als er das letzte Mal beweisen konnte, dass ein Mann unschuldig verurteilt wurde, rief ihn ein anderer Sheriff an und fragte ihn: Was zum Teufel machst du da, Mann. Als wäre es wichtiger, recht zu behalten, als Recht zu sprechen.

Dass Jens Söring selber seit mehr als 30 Jahren sagt, er sei unschuldig, kennen sie in Virgina mittlerweile. Auch, dass es immer wieder neue Unterstützer gibt, neue Erkenntnisse - geschenkt. Aber dass sich jetzt nach einem der damaligen Ermittler auch ein amtierender Sheriff, noch dazu ein Republikaner, für den Deutschen einsetzt, der zu zwei Mal lebenslänglich verurteilt wurde, das ist dann doch eine Sensation.

Chip Harding sagt, dass er über den Fall nicht viel mehr wusste als das, was man in der Presse darüber in all den Jahren lesen konnte. Als der republikanische Gouverneur Bob McDonnell 2010 die Haftüberstellung Sörings nach Deutschland blockierte, fand er das richtig. Als ihn Sörings Anwalt Steve Rosenfield bat, sich die Akten mal anzusehen, dachte er, warum nicht. "Aber sobald ich anfing zu lesen, konnte ich das nicht so auf sich sitzen lassen. Ich wusste, das ist Unrecht."

200 Stunden hat er sich in den Fall eingearbeitet. Er hat Bewährungsanträge durchgearbeitet, unzählige Petitionen und Akten, er hat die forensischen Daten und die DNA-Analysen studiert, hat Bücher gelesen und Filme angeschaut, er hat Jens Söring interviewt und den damals leitenden Ermittler Chuck Reid. Er hat sich, wie man so schön sagt, ein Bild gemacht.

Dann hat er dem Gouverneur von Virginia geschrieben, 19 Seiten: Honorable Terence M. McAuliffe. Punkt für Punkt geht Harding in diesem Brief die Fakten durch, die der leitende Staatsanwalt beim Prozess 1990 vortrug als Beweise von Sörings Schuld. Der Sockenabdruck, das Geständnis, das Alibi, das Motiv. Einen nach dem anderen widerlegt oder hinterfragt der Sheriff, verweist auf Fakten, Widersprüche, fehlende Beweise. Er schreibt, dass Söring nach heutiger Sachlage nie verurteilt worden wäre: "Fast jedes Beweisstück, das damals von der Staatsanwaltschaft angeführt wurde, war fehlerhaft, unseriös oder wissenschaftlich widersprüchlich." Sincerely, J. E. "Chip" Harding.

Und Jens Söring, dessen zwölfter Bewährungsantrag vor Kurzem trotz neuer DNA-Erkenntnisse abgelehnt wurde, schreibt: "Einer der führenden Polizeibeamten Virginias sagt öffentlich, dass er an meine Unschuld glaubt. Das bedeutet mir unglaublich viel."

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