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Der Fall Söring wirft ein Schlaglicht auf das Dilemma der DNS-Tests


(von The Daily Progress, 25. Januar 2011, Link )


Der Fall von Jens Söring stellt die Revisionsmöglichkeiten für Verurteilte im Bundesstaat Virginia auf eine harte Probe.

Jens Söring verbüßt derzeit eine zweimal lebenslängliche Haftstrafe für die im Jahr 1985 in Bedford begangenen Morde an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom. Der Fall sorgte damals landesweit aufgrund seiner besonderen Brutalität und der Tatsache, dass beide Studenten an der University of Virginia waren, für Aufsehen. Auch international stieß er auf Interesse, weil Sörings Vater ein deutscher Diplomat war, und das Paar nach England floh und ausgeliefert werden musste.

Nun bringt der Fall indirekt auch die Revisionsverfahren im Bundesstaat Virginia aufs Tapet.

Die Möglichkeiten, nach einer Verurteilung neue Beweise einzubringen, waren im Bundesstaat Virginia lange Zeit erschreckend gering. Sogar Todeskandidaten hatten nach ihrer Verurteilung nur 21 Tage Zeit, neue Beweise vorzubringen, um ihre Unschuld zu beweisen. Einundzwanzig Tage!

Zwar konnte die Strafe durch den Gouverneur abgeändert werden, aber ein fälschlich Verurteilter konnte nachträglich nicht für unschuldig erklärt werden, da es keine Möglichkeit gab, einen alten Fall vor Gericht wieder neu aufzunehmen.

Mit der Einführung der DNS-Beweise konnte in einigen Fällen zweifelsfrei bewiesen werden, dass verurteilte „Kriminelle” in Wahrheit unschuldig waren. Schließlich änderte der Bundesstaat Virginia seine Gesetze, um diese Beweise – mit bestimmten Einschränkungen – zuzulassen.

Mit den neuen DNS-Beweise in der Tasche, will Sörings Anwältin nun nicht vor ein Gericht gehen, um die Beweise überprüfen zu lassen, sondern sie bittet Gouverneur Bob McDonnell um dessen Unterstützung für die Haftaussetzung und -überstellung ihres Klienten nach Deutschland.

Laut der Anwältin „lassen die Beweise starke Zweifel an seiner angeblichen Schuld aufkommen.”

Sie beweisen jedoch nicht seine Unschuld.

Die Öffentlichkeit ist an mehr Eindeutigkeit gewöhnt. In den meisten Fällen wurden fälschlich Verurteilte dank der nachträglichen DNS-Tests entlastet, indem sie eine andere Person als Täter identifizierten oder zumindest den Angeklagten ausschlossen.

Dies ist hier nicht der Fall. Die Tests haben allerdings ergeben, dass die DNS-Proben nicht von Jens Söring oder Elizabeth Haysom stammen. Dabei gab es Proben, die nicht getestet werden konnten, und andere enthielten keine ausreichende Menge an DNS-Material.

Dass Sörings DNS unter den 42 eingereichten Proben nicht nachgewiesen werden konnte, ist überraschend. Aber heißt das, dass er und Elizabeth Haysom nie am Tatort waren? Oder bedeutet es nur, dass die Polizei ihre DNS-Spuren am Tatort nicht aufgenommen hat? Oder hätte man ihre DNS vielleicht in den anderen Proben gefunden, wenn diese testfähig gewesen wären?

Und von wem stammen die DNS-Proben, die nicht von Haysom oder Söring zugeordnet werden konnten?

Und als sei die Lage nicht schon schwierig genug: Jens Söring hatte bei seiner damaligen Befragung die Morde gestanden. Dieses Geständnis hat er in der Zwischenzeit widerrufen. Er sagt, er habe die Schuld auf sich nehmen wollen, um Elizabeth Haysom zu schützen, und weil er glaubte, der Diplomatenstatus seines Vaters gäbe ihm Immunität.

Sörings Anwältin wendet sich nicht an ein Gericht, um die damalige Entscheidung überprüfen zu lassen, so wie es die geänderte Gesetzeslage ermöglichen würde – sicherlich, weil die Ergebnisse so uneindeutig sind. Doch sie und ihr Klient sind der Meinung, dass die DNS-Tests ausreichende Zweifel erweckt haben, um eine Haftentlassung Sörings zu rechtfertigen.

Der Fall Jens Söring passt in kein Muster und es gibt auch keinen vergleichbaren Präzedenzfall. Was er jedoch zeigt, ist, wie nachträglich vorgelegte bzw. eingereichte DNS-Beweise eingesetzt werden können, um berechtigte Zweifel an einer Verurteilung aufkommen zu lassen.

Für derart widersprüchliche Fälle wurden die geänderten Gesetze nicht angelegt.
Der Gouverneur steht nun vor einer schwierigen Entscheidung – mit der er auch eine Richtung für die Zukunft vorgeben könnte.
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