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Der Inhaftierte Jens Söring setzt seine Hoffnungen auf DNS-Tests


(von Tasha Kates, The Daily Progress, 23. Januar 2011, Link )


Der verurteilte zweifache Mörder Jens Söring reichte in dieser Woche Klage gegen Gouverneur Bob McDonnells Entscheidung ein, Sörings bereits bewilligte Haftüberstellung nach Deutschland zurückzuziehen. Zeitgleich bat Sörings Anwältin den Gouverneur angesichts der kürzlich durchgeführten DNS-Ergebnisse, die Söring nicht mit dem Tatort in Verbindung bringen, um Unterstützung für Sörings Haftaussetzung und -überstellung.

Gail A. Ball, Anwältin aus Virginia Beach, schrieb dazu, dass die vom Gerichtsmedizinischen Institut Virginia durchgeführten DNS-Tests neue Fragen im Fall Söring aufwerfen.

„ … Neue Beweise sind kürzlich ans Licht gekommen. Diese beweisen zwar nicht die vollständige Unschuld von Jens Söring, sie erwecken jedoch so große Zweifel an seiner angeblichen Schuld, dass seine andauernde Freiheitsstrafe zu einer nicht hinnehmbaren Ungerechtigkeit und enormen Schande für unser geliebtes Virginia wird.”

Söring verbüßt eine zweimal lebenslängliche Freiheitsstrafe in Zusammenhang mit den 1985 in Bedford County begangenen Morden an Derek und Nancy Haysom, den Eltern seiner damaligen Freundin Nancy Haysom. Jens Söring und Elizabeth Haysom waren zur damaligen Zeit Studenten an der University of Virginia.

Die DNS-Tests wurden im Rahmen des Post-Conviction DNA Testing Program (Programm für nachträgliche DNS-Tests) vom Gerichtsmedizinischen Institut Virginia durchgeführt, erklärt Ball.

Laut Analysezertifikat vom 24. September 2009 stammen die getesteten DNS-Proben weder von Jens Söring noch von Elizabeth Haysom. Zu den gefundenen, testfähigen Proben gehörten u. a. Flecken auf dem Fußboden und an der Wand. Einige Proben waren unbrauchbar, weil sie unzureichende Mengen an DNS enthielten, andere wiesen ein DNS-Profil auf, das sowohl von einem Mann als auch von einer Frau stammen könnte.

Der 44-jährige Jens Söring sagte, er sei nicht überrascht von den Ergebnissen, die keine Verbindung zu seiner Person herstellen konnten.

„Niemand hat 42 Mal in Folge Glück”, so sein Kommentar. „Vieles spricht dafür, dass die Person wirklich unschuldig ist.”

Jeff Caldwell, ein Sprecher von McDonnell, erklärte am Freitag in einer E-Mail, dass der Gouverneur bisher noch keine Kenntnis von Balls Brief oder Sörings Klage habe, die dieser am Dienstag eingereicht hat.

„Das einzige, was wir zum jetzigen Zeitpunkt dazu sagen können, ist, dass Jens Söring für die brutalen Morde an zwei Menschen schuldig gesprochen wurde. Der Gouverneur wird sicherstellen, dass Söring hier in Virginia seine volle Strafe verbüßt.”

Söring erklärte, kurz nachdem ihm das Analysezertifikat zugestellt wurde, habe er erfahren, dass der frühere Gouverneur Timothy M. Kaine seine Haftüberstellung aus der Vollzugsanstalt Buckingham in ein deutsches Gefängnis befürwortete. Er habe das DNS-Zertifikat zurückgehalten, weil er glaubte, er würde Virginia verlassen und es spiele keine Rolle mehr.

„Alles was ich will, ist Virginia verlassen”, sagte er. „Ich brauche keine Rehabilitation, ich will nur nach Hause.”

Er habe die Morde ursprünglich gestanden, weil er glaubte, der Diplomentenstatus seines Vaters würde ihn schützen und weil er Elizabeth Haysom vor der Todesstrafe bewahren wollte. Sein Geständnis sei falsch gewesen. Sein einziges Vergehen sei, dass er die Polizei belogen habe, nicht die Morde an den Haysoms, so Söring.

Die Haftüberstellungsvereinbarung, der Kaine zustimmte, sah vor, dass Söring in Deutschland zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden wäre, und erst zwei Jahre nach der Haftüberstellung einen Antrag auf Bewährung hätte stellen können. Er hätte nicht wieder in die USA zurückkehren dürfen.

Eine Woche, nachdem Kaine in einem Schreiben an das US-Justizministerium Sörings Überführung bewilligt hatte, widerrief der neu ins Amt gekommene McDonnell in einem Schreiben an Generalstaatsanwalt Eric Holder die Zustimmung des Bundesstaates Virginia zu Sörings Transfer. McDonnell schrieb, er sei bei Kaines Initiative bezüglich des Transfers nicht zurate gezogen worden. Zudem stimmten der Generalstaatsanwalt des Staates Virginia und die Behörden von Bedford County darin überein, dass der Bundesstaat Virginia den Transfer nicht bewilligen sollte.

Ricky Gardner, Polizeichef von Bedford und leitender Ermittler im Fall der Haysom-Morde, sagte, dass niemand in Bedford verstehen könne, warum Kaine Söring nach Deutschland schicken wollte. Er räumte jedoch ein, er verstehe, dass Söring alle Möglichkeiten ausschöpfen will.

„Er sitzt den ganzen Tag in seiner Zelle”, so Gardner. „Er hat nichts anderes zu tun. Und er hat nichts zu verlieren.”

Sörings Möglichkeiten zum Ersuchen um gerichtlichen Rechtsbehelf oder zum “Writ of Actual Innocence” (Antrag auf nachträgliche DNS-Tests) sind verjährt, erklärt Ball. Söring kann in eineinhalb Jahren ein erneutes Gnadengesuch beim Gouverneur einreichen.


Haftüberstellung nach Deutschland

Söring erklärte, unter deutschem Recht bekäme jeder Beklagte eine zweite Chance. In Deutschland könne er auf eine Aussetzung des Strafrestes auf Bewährung hoffen. Bevor dies möglich ist, würde in einem Bewährungsverfahren mit Richter, Staatsanwalt und einem Verteidiger, geprüft, ob er eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt und bereit ist, in die Gesellschaft zurückzukehren.

Nachdem Sörings Antrag auf Haftüberstellung im letzten Jahr scheiterte, kontaktierte er Gail A. Ball und bat sie, sich bei McDonnell für seine Strafaussetzung einzusetzen. Ball erzählte, sie habe während eines Polittreffens in Virginia Beach mit McDonnell über Söring gesprochen und der Gouverneur habe ihr gesagt, dass er überzeugt sei, dass Söring voll rehabilitiert ist.

Das Gespräch sei unterbrochen worden, als der Gouverneur gerade zu Sörings Zukunft Stellung nehmen wollte. Ball erklärte, es sei ihr leider nicht möglich gewesen, McDonnell zu einem persönlichen Gespräch über den Fall zu bewegen. Sie empfahl Söring, seine Argumente schriftlich vorzulegen.

Jens Söring war im Herbst 1984 im Alter von 18 Jahren als Stipendiat der Jefferson-Stiftung an die University of Virginia gekommen. Hier traf er die damals 20-jährige Kanadierin Elizabeth Haysom. Ihre Eltern sollen gegen die Beziehung zwischen Söring und ihrer Tochter gewesen sein.

Am 30 März 1985 wurden die Eltern von Elizabeth Haysom in ihrem Haus ermordet. Laut Gardner hat Elizabeth Haysom den Behörden freiwillig ihre Fingerabdrücke und Blutproben zur Verfügung gestellt. Söring hingegen weigerte sich, da er befürchtete, sein Vater werde ausgewiesen, wenn er in Tatverdacht geriete. Eine Woche später verließen die beiden das Land, so Gardner.

Gardner erklärte, er habe sich jahrelang – bis zur Entscheidung der Jury – eingehend um den Fall gekümmert. Als das Analysezertifikat zu den neuen DNS-Proben aus dem Labor zurückgekommen sei, habe er es gründlich geprüft. Seiner Meinung nach seien die Testergebnisse nicht eindeutig und änderten nichts an den vielen Ungereimtheiten, die es in Sörings Aussagen nach dem Geständnis gebe.

Söring habe auf jede Widersprüchlichkeit eine passende Antwort, so Gardner – warum die Außenbeleuchtung des Hauses der Haysoms eingeschaltet war, als man sie fand; wie sich die Blutgruppen, die man bei den getesteten Blutproben im Haus fand, erklären lassen. „Er hat sich selbst davon überzeugt, dass er diese Verbrechen nicht begangen hat”, so Gardner. „Aber ich bin absolut sicher, dass er es war.”


Der DNS-Test

Brandon L. Garrett, Professor an der juristischen Fakultät der Virginia University hat sich eingehend mit dem Thema der nachträglichen Entlastung durch DNS-Tests und dem Phänomen der falschen Geständnisse beschäftigt. Er räumt ein, dass es nicht leicht ist, zu verstehen, warum jemand ein Verbrechen gesteht, das er nicht begangen hat.

„Es hat eine große Wirkung, wenn jemand mit eigenen Worten seine Schuld gesteht”, so Garrett. „Dank der nachträglichen Entlastung durch DNS-Tests wächst das Bewusstsein für das Phänomen der falschen Geständnisse, die durch polizeiliche Maßnahmen erzwungen werden.“

„Die meisten Fälle, in denen die mutmaßlichen Täter nachträglich durch DNS-Tests entlastet wurden, waren Vergewaltigungsdelikte“, so Garrett. Hier ist es eindeutig: Entweder sind biologische Proben vorhanden oder eben nicht. Bei den meisten anderen Verbrechen, darunter Mord, seien die Ergebnisse weniger eindeutig, denn das Fehlen von DNS-Spuren des Verdächtigen am Tatort bedeute nicht zwangsläufig ihre Unschuld.

Laut Angaben des Gerichtsmedizinisches Institut in Virginia gibt es derzeit 3.053 Fallakten, in denen geeignete Proben gefunden wurden, die im Rahmen des Programms getestet werden können. Bislang wurde in 747 Fällen Proben zum Testen eingereicht. Unter den bereits abgeschlossenen Analysen wurde in 82 Fällen entweder keine DNS des Verdächtigen gefunden oder der Verdächtige als Verursacher der Proben ausgeschlossen.

Die stellvertretende Leiterin des Gerichtsmedizinischen Instituts, Gail D. Jaspen, wies darauf hin, dass die Tatsache, dass das DNS-Profil eines Verdächtigen nicht gefunden bzw.  ausgeschlossen werde, keinen eindeutigen Beweis für seine Unschuld darstellt.

In seinem ursprünglichen Geständnis gegenüber der Polizei – das er später mit der Begründung zurücknahm, er habe gelogen, um seine Freundin vor dem elektrischen Stuhl zu bewahren – hatte Söring behauptet, er habe sich bei den Morden zwei Finger der linken Hand verletzt. Heute sagt Söring, er frage sich, warum seine DNS nicht gefunden wurde, wenn er sich doch, wie er es der Polizei erzählt hatte, am Tatort verletzt habe.

Söring zweifelt an, dass kein DNS-Profil von Derek und Nancy Haysom entnommen wurde, wie es im Analysezertifikat heißt. Gardner erklärte, die Ermittler hätten lediglich die Beweise am Tatort aufgenommen, und es wäre Aufgabe des Labors gewesen, Proben von den Haysoms zu entnehmen.

Professor Garrett wies darauf hin, dass es im Jahr 1990 noch unüblich war, DNS-Tests durchzuführen. Doch bei korrekter Lagerung der Proben seien nachträgliche DNS-Tests, noch lange nachdem die Proben erfasst wurden, möglich.

Im Hinblick auf die Tatsache, dass die DNS-Ergebnisse nicht verraten, wer die Haysoms getötet hat, sagte Söring: „Ich weiß, dass ich es niemals erfahren werde, wer die Haysoms getötet hat. Ich werde es niemals erfahren und das ist wirklich, wirklich hart.”
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