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Das Überwinden unserer Fesseln


(von Pauline Hovey, für den Arlington Catholic Herald, 2. Juni 2005)

 
Dies ist der zweite Teil einer Zweierserie über den Gefängnisinsassen Jens Söring von Virginia, ein katholischer Konvertit und veröffentlichter Autor, der 19 Jahre seiner zweimal lebenslänglichen Haftstrafe wegen eines Doppelmordes abgesessen hat.

 
Seit er zum Katholizismus konvertiert ist und sich zu einer strengen Ausübung des ‚Centering Prayer’ verpflichtet hat, sind die Tage von Jens Söring, einem Gefängnisinsassen aus Virginia, mit zahlreichen geistlichen Tätigkeiten ausgefüllt. Er steht um 4,45h morgens auf, um noch vor dem Frühstück das ‚Centering Prayer’ zu praktizieren und Psalme zu lesen. Er verbringt einen großen Teil seiner „freien“ Zeit mit Beten, der Bibellektüre und dem Schreiben. Er sagt, dass das Schreiben aus dem Beten heraus entsteht und dass er mit seiner Botschaft Aufmerksamkeit erregen möchte.
 
Da Söring davon überzeugt ist, dass der Glaube mehr als eine religiös emotionale Erfahrung ist, behauptet er, dass das kontemplative Gebet zu einer kontemplativen Tätigkeit führen muss. Infolge dessen propagiert er die Notwendigkeit für die anderen, durch die Gottesdienste im Gefängnis zu dienen. Er ist überzeugt davon, dass seine Botschaft hinaus findet durch das, was er hinter den Gefängnismauern tut.
 
„Einer der größten theologischen Fehler des Protestantismus und der Grund dafür, dass ich Katholik geworden bin ist die Annahme, dass der Glaube bloß ein Geschehen zwischen einem Menschen und Gott oder einem Individuum und Gott sei. Er ist tatsächlich etwas zwischen Gott, einem Mensch und dessen Nächsten. Die Gemeinschaft und die Kommunion sind essentiell für den katholischen Glauben. Diese Dimension unseres Glaubens erhält bei den Protestanten nicht dasselbe Gewicht.“
 
Es ist eben dieser Sinn für die Gemeinschaft und die Kommunion mit anderen welcher Söring dazu motivierte, sich als Verbindungsglied unter den katholischen Gefängnisinsassen zu betätigen, eine Funktion, die mehr administrative Aufgaben nach sich zieht, als ihm lieb ist. Dank seinem Einsatz hält nun an jedem ersten Montag im Monat ein Priester die Heilige Messe im Gefängnis ab und ebenfalls monatlich werden von Geistlichen das Abendmahl und die Liturgie zelebriert. Söring nimmt seinen katholischen Glauben sehr ernst, besonders was die Heilige Messe und das Abendmahl betrifft. „ Das ist etwas, worauf ich mich immer sehr freue“, sagt er.
 
Söring empfindet die friedvollen Momente, in denen Menschen unterschiedlicher Rasse, Herkunft und Nationalität, sowohl Gefängnisinsassen wie auch die „Freilebenden“(Ausdruck für die Geistlichen und andere von der „Außenwelt“), zusammenkommen, um Umarmungen und aufrichtige Glückwünsche auszutauschen, als besonders bedeutsam.
 
„Dies erlaubt uns, uns für einen Moment als Menschen zu fühlen“, sagt er. „Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, diese Gemeinschaft findet in der Heiligen Messe ein wunderbares Symbol, sogar wenn sie im Gefängnis abgehalten wird.“ Am Aschermittwoch beispielsweise, wenn alle ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet bekommen, symbolisiere dies, dass „wir alle eins sind, dass wir in diesem Moment tatsächlich eine Gemeinschaft bilden.“
 
Söring meint, dass eine der Hauptaufgaben der Katholischen Kirche in den USA die Wiederentdeckung des gemeinsamen Elementes sein sollt.
 
„Gnade sollte in Form einer Verkörperung von Christus eine Nachfolge haben, was eigentlich wir selbst sind,“ sagt er. „Wenn der Samen in die Erde fällt ist es besser, wenn jemand mit einer Gießkanne dort ist.“ Deshalb appelliert Söring an seine Leser, der Aufforderung von Christus zu folgen, den Gefangenen zu besuchen. „Ein menschlicher Einsatz ist gefragt. Es herrscht eine so große Hoffnungslosigkeit hier drinnen.“
 
Söring hat außerdem dazu beigetragen, eine monatlich stattfindende katholische Videonacht ins Leben zu rufen.. Erst kürzlich gelang es ihm, eine zweimal im Monat praktizierende ‚Centering Prayer’ Gruppe für Gefängnisinsassen zu gründen. Er bemüht sich darum, das Bewusstsein der Gefangenen für sich selbst zu nähren, ebenso wie ihr spirituelles Erleben. Er erhielt die Erlaubnis, ein Fitnessprogramm zu starten, welches Insassen ab 40 Jahren eine zusätzliche Trainingszeit ermöglicht, und er hilft einem Mitgefangenen eine Tai Chi-Klasse für ältere Gefängnisinsassen zu leiten. Im weitern hat er einen Antrag eingereicht, mit einer kleinen Zeitschrift zu starten, die gänzlich von Insassen verfasst werden soll Jede Ausgabe dieser Zeitschrift würde sich mit einem speziellen Thema befassen. Das erste wäre, wie der Verfasser die Natur erlebt.
 
Obschon diese Aktivitäten sowohl für die Gefangenen, wie auch für das Gefängnispersonal einen Vorteil haben, indem sie Wohlbefinden und zivilisiertes Benehmen fördern, entsprechen sie nicht der Norm eines Gefängnisses in Virginia. Söring schreibt es der „ungewöhnlich unterstützenden“ Hilfsleiterin Kimberley Runion im Brunswick Correctional Center zu, dass diese Aktivitäten erlaubt werden. Er glaubt, dass Runion den Vorteil für die Gefangenen und ihre Familien ebenso sieht, wie den für die öffentliche Sicherheit.
 
„Falls es sicherheitskompatibel und konstruktiv ist, dann erlaubt sie es,“ meint Söring. „Die entscheidende Absicht ist es, die Insassen zu zivilisieren. Man kann Menschen zivilisieren, indem man ihnen hilft, mit ihrer Menschlichkeit in Kontakt zu kommen. Wenn man sie mit ihrer eigenen Menschlichkeit in Kontakt bringt, werden sie die Menschlichkeit der anderen erkennen.“
 
Ob man nun an Sörings Unschuld glaubt oder nicht, er sagt gewisse Wahrheiten, die nicht geleugnet werden können: die Notwendigkeit, der Existenz Gottes in seinem Leben zuzustimmen, die Notwendigkeit, als Nachfolger von Christus den andern zu dienen und die Notwendigkeit, das Strafvollzugssystem zu reformieren. Als engagierter Vertreter einer Gefängnisreform nennt Söring das amerikanische Gefängnissystem „ein schwerwiegendes, unerkanntes und übersehenes Übel.“ Er macht geltend, dass in den USA 2,2 Millionen Menschen hinter Gittern leben. Das heißt, dass in unserem Land mehr Bürger pro Kopf eingesperrt sind, als in jedem anderen Land. Söring weißt unerbittlich auf den krankmachenden Effekt dieser Tatsache hin, welchen dieser auf die amerikanische Gesellschaft hat. Eines seiner Bücher beschäftigt sich mit diesem Thema, untermauert durch alarmierenden Fakten und gewissenhafte Recherchen.
 
„Wenn du 2,2 Millionen Menschen eingesperrt hast und ungefähr 120 000 von ihnen wegen ihres Alters, ihrer Hoffnungslosigkeit und der medizinischen Unterversorgung hier drinnen sterben werden, bist du nicht mehr das ‚Land der Freiheit’“, schlussfolgert Söring.
 
Viele Menschen in der „Außenwelt“, unter anderem bekannte Geistliche und Mönche wie Pfarrer Tilden Edwards, Gründer und langjähriges Mitglied des Shalem Institute for Spiritual Formation in Washington und Vater Thomas Keating von Contemplative Outreach Ltd., haben Söring kennen gelernt und unterstützen ihn. Einige von ihnen haben seine Anliegen bis in das Umfeld der Legislative gebracht wie beispielsweise Pfarrer Richard Busch, emeritierter Professor des theologischen Seminars in Virginia, der im Kongress mit einem Vorstoss für eine Gefängnisreform lobbyiert. Der pensionierte Bischof von Richmond, Walter F. Sullivan, hat Söring während beinahe vier Jahren gekannt und hat ihm das Abendmahl gebracht. Er bezeichnete ihn als sehr spirituell und als eine bemerkenswerte Persönlichkeit.
 
Trotz der wachsenden Unterstützung bleibt Söring im Gefängnis, wo einige seiner Mitgefangenen seither verstorben sind, „alleine und weit weg von ihren Familien“. Anstatt Angst zu bekommen vor der Möglichkeit, dass dies sein eigenes Schicksal werden könnte, schreibt Söring es dem ‚Centering Prayer’ zu, von ihm gelernt zu haben, dass jeder von uns sein eigenes Gefängnis hat und dass „unser Gefängnis ein Weg zur Gnade sein kann.“ Zur Illustration berichtet er davon, wie er kürzlich für 43 Tage in die Strafabteilung des Gefängnisses verlegt worden war, da er Gegenstand einer Untersuchung gewesen sei, obschon ihm bis heute keine Beschuldigung, die die Ursache der Untersuchung hätte sein sollen, genannt worden ist. Während dieser schmerzlichen Zeit, die er „im Loch“ verbringen musste, fand er auch Gutes an dieser Erfahrung: mehr Zeit fürs ‚Centering Prayer’, mehr Zeit zum Schreiben, was ihm erlaubte, ein weiteres Kapitel für The Convict Christ zu verfassen, sein drittes Buch, welches bald veröffentlicht werden wird (es befasst sich mit dem Umstand, das Jesus als Krimineller behandelt und verurteilt wurde) und schließlich auch die Gelegenheit, mehr Geduld und Demut zu üben.
 
Obschon Söring weiterhin einem Leben im Gefängnis entgegensieht, so wird er auch weiterhin ein Leben in Hoffnung führen. So wie Vater Keating in Open Mind, Open Heart sagt, „das kontemplative Gebet ist diejenige Welt, in der Gott alles kann.“ Wenn man sich für das Unbegrenzte öffnet, „wird das Unmögliche eine alltägliche Erfahrung“. Vielleicht ist Sörings Hoffnung trotz allem begründet.


„Briefe an den Herausgeber“

5. Juni 2005
 
Lieber Herausgeber!
 
Ihre Zeitschrift war so freundlich, einen sehr gütigen zweiteiligen Bericht über mich am 26. Mai und am 2. Juni zu veröffentlichen. Im zweiten Teil verleitete mich meine Begeisterung für die Katholische Kirche dazu, eine unfreundliche Bemerkung über die Protestanten zu machen.
 
Hier im Gefängnis bin ich nur mit einer Version des Protestantismus konfrontiert: einer Art von Fundamentalismus, der offensichtlich und gelegentlich sehr unverblümt antikatholisch ist. Ich kann mich nicht daran erinnern, wie oft mir schon gesagt wurde, dass ich, zusammen mit allen anderen Katholiken, zur Hölle fahren werde, da die Religion ausschließlich eine Angelegenheit zwischen dem Menschen und Gott sei.
 
Als ich vor 9 Jahren zum Katholizismus konvertierte, begleitete mich während dieser Bekehrung zum Christentum ein wunderbarer Geistlicher der ‚United Church of Christ’, Pfarrer Beverly Cosby. Heute ist mein bester Freund ein Priester der Episkopalkirche und ich hab mehr Freunde und Unterstützer aus dieser Kirche, als aus der katholischen. Irgendwie bringe ich sie nicht in Verbindung mit dem Protestantismus - vermutlich gerade deshalb, weil sie sich nicht an der Verunglimpfung der Katholiken beteiligen, der ich so oft im Gefängnis begegne.
 
Das ist trotzdem keine Entschuldigung für den Unterton meiner Bemerkung über die Protestanten in dem Artikel vom 2. Juni. Ich hoffe, dass mir dies meine protestantischen Freunde sowie die Leser des ‚Arlington Catholic Herald’ vergeben werden.
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