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Die Verwandlungskraft des Gebets - Die Geschichte eines Gefängnisinsassen


(von Pauline Hovey, für den Arlington Catholic Herald, 26.05.2005)


Die Journalistin Pauline Hovey führte während mehrerer Monate einen Schriftverkehr mit Jens Söring bevor sie ihn im Gefängnis besuchte. Dies ist der erste Teil einer zweiteiligen Serie.
 
Es wurde einmal gesagt, dass wir in Gott in unserem Leiden am nahesten sind. Wenn es stimmt, könnte das die Erklärung für die Geschichte von Jens Söring sein. Als veröffentlichter Autor, früherer Student an der Universität von Virginia und katholischer Konvertit sitzt Söring seit 19 Jahren für ein Verbrechen, von dem er behauptet, es nicht begangen zu haben, im Gefängnis. Er sitzt zur Zeit zweimal lebenslänglich ab mit wenig Hoffnung, jemals entlassen zu werden (im Jahr 2001 lehnt der Oberste Gerichtshof der USA seine letzte Berufung ab) und dennoch hat er in dieser Situation, die viele als hoffnungslos bezeichnen würden, Hoffnung gefunden.
 
Als deutscher Bürger und Sohn eines Diplomaten zog Söring mit seinem Fall im Jahr 1986 die internationale Aufmerksamkeit auf sich, als er als Neunzehnjähriger wegen des Mordes an den Eltern seiner Freundin verurteilt wurde. Obschon einige, darunter auch eine frühere stellvertretende Staatsanwältin, glauben, dass sein Fall fehlerhaft behandelt wurde und die Beweislage unschlüssig war, bleibt er hinter Gittern. Während seiner Gefangenschaft musste er den Verlust beider Eltern in seiner Abwesenheit verkraften, er verlor den Kontakt zu seinem Bruder, ihm wurde jeder Zugang zu Publikationen ein seiner Muttersprache verweigert und er überlebte mehrere unmenschliche Erfahrungen. Kurzum, er ertrug den Verlust eines grossen Anteils seiner subjektiven Identität. Gleichwohl hat Söring, anstatt verzweifelt., verbittert und zurückgezogen zu werden, sein Heil im Katholizismus und und im Praktizieren des ‚Centering Prayer’ gefunden, welches er als „unglaublich einfach aber recht schwierig“ bezeichnet.
 
Söring ist seit dem Jahr 2000 ein frommer Praktizierer des ‚Centering Prayer’, er betet täglich etwa 2 Stunden in halbstündigen Einheiten. Er ist überzeugt davon, dass die moderne Anpassung der alten christlichen kontemplativen Methode in Gott zu ruhen ihm geholfen hat, zu sich selbst zu kommen, sein Kreuz anzunehmen und die Leiden und Erfahrungen, die sein Gefängnisalltag mit sich bringen, zu ertragen. Ausserdem verhilft sie ihm zu einem Wohlbefinden an einem Ort, der unerträglich sein könnte, ein Ort, wo zwei Menschen, die manchmal unter emotionalen oder psychischen Problemen leiden, eine Zelle von der Grösse einer Abstellkammer teilen. Söring stellt fest, dass er seitdem er mit dem ‚Centering Prayer’ begann, er mit allen Zellennachbarn Glückt gehabt hat, da sie sein Bedürfnis nach Ruhe während des Gebets respektiert haben. Er meint: „Das muss eine göttliche Fügung sein, denn eigentlich habe ich nicht den Anspruch auf gute Zellennachbarn während fünf Jahren.“
 
Für Söring bedeutet ‚Centering Prayer’ im Wesentlichen auf Gott zu hören. „Gott weiss bereits alles, was uns bewegt, es wäre also ein bisschen dumm, ihm dass alles zu erzählen“, meint er. Anstatt Gott mitzuteilen, wie wir denken, dass die Dinge funktionieren sollten, schlägt Söring vor, einfach still zu sein und zu horchen. „Wenn wir das tun, beginnt das aufregendste und anspruchsvollste Abendteuer unseres Lebens.“
 
Sörings „Abendteuer“ ist nicht eins, dass sich andere wünschten. Dennoch hat es ihn an einen verblüffenden Ort gebracht, der ihm erlaubt zu sehen, dass „alles in unserem Leben ein Geschenk ist, wenn wir die Augen öffnen für das Wirken des Heiligen Geistes.“ Er hat erkannt, dass auch ein Leben im Gefängnis zum göttlichen Plan gehören kann. Da der Verwandlungseffekt des ‚Centering Prayer’ die ‚Centering Practice’ hervorbringt, hat Söring in seinem limitierten Umfeld nach Möglichkeiten gesucht, sich nützlich zu machen. Nachdem seine letzte Berufung vom Gericht abgelehnt worden war, war er dazu inspiriert, ein Buch zu schreiben, The Way of the Prisoner: Breaking the Chains of Self Through Centering Prayer and Centering Practice, eine sehr persönliche Darlegung seines Weges zu Gott durch ‚Centering Prayer’ und eine Anleitung für all diejenigen, die diese Methode lernen möchten. Sein Buch wurde im Jahr 2003 im Verlag Lantern Books veröffentlicht mithilfe von Bruder Thomas Keating, einen der drei Mönche des Trappisten-Ordens (zusammen mit William Meninger und Basil Pennington), die dafür bekannt wurden, dass sie die Methode des ‚Centering Prayer’ in der heutigen Zeit bekannt machten. Söring schickte Bruder Keating sein vollständiges Manuskript. Der Mönch las es nicht bloss, sondern sandte es weiter zu seinem eigenen Verleger und begann mit Söring einen sehr langen Briefwechsel über das kontemplative Beten, woraus schliesslich eine Freundschaft wurde.
 
Trotz seiner regen Tätigkeit als Redner, fand Keating, der im St. Benedict’s Monastry in Snowmass, Colorado, lebt und der Bücher sowie Audio- und Videoaufzeichnungen über das kontemplative Beten veröffentlichte, Zeit, Söring im Gefängnis zu besuchen. Während des nahezu dreistündigen Besuchs verbrachten Keating und Söring einen Teil der Besuchszeit mit ‚Centering Prayer’. Keating bezeichnet Söring als „zutiefst dem Gebet zugewandt“ und als „einen sehr mitfühlenden Menschen“, sowohl seinen Mithäftlingen, als auch dem Gefängnispersonal gegenüber. Keating glaubt, dass Söring Gott mit seinem Schreiben dient, in welchem er oft die Reform des Strafvollzugs thematisiert. Sowohl Söring, wie auch Keating stellen fest, dass der heutige amerikanische Strafvollzug genau das Gegenteil von der Botschaft Christi darstellt und das er überholt werden müsste. Söring hat zahlreiche Artikel zum Thema Strafvollzusgreform veröffentlicht und sein zweites Buch, An Expensive Way to Make Bad People Worse: An Essay on Prison Reform from an Insider’s Perspektive, beschäftigt sich mit der Frage warum das heutige System versagt, obschon es den Steuerzahlern enorm viel Geld kostet. Keating anerkennt, dass Söring ein Risiko eingeht, weil er so offen spricht, aber Söring selbst scheint nicht allzu besorgt zu sein. „Meine Haltung dazu ist, dass ich im Gefängnis ein sinnvolles Leben führen möchte, ein Leben, in dem ich Gott und meinem Nächsten dienen kann. Das Schreiben entsteht aus dem Gebet heraus.“
 
Zusätzlich zu seinen Veröffentlichungen zum Thema Strafvollzugsreform hat Söring interessante Artikel mit spirituellen Inhalten in Zeitschriften und katholischen/christlichen Publikationen wie America, Pastoral Life, National Catholic Reporter und The Catholic Peace Voice geschrieben. Seine anhaltende Offenheit für den Heiligen Geist erlaubt es Söring, „meine Arbeit, mein Schreiben fortzusetzen, nicht ohne Furcht und Angst,“ wie er zugibt, „ jedoch mit einer zugrunde liegenden Versicherung und Sicherheit, dass ich nicht meinen, sondern Seinen Willen erfülle. Was macht es da schon aus, wenn ich ein bisschen ängstlich dabei bin? Das ist bloss ein Gefühlszustand, der vorübergehen wird. Das wirklich Wichtige ist, dass Gott mich einsetzt.“
 
Es scheint, als ob Gott in erster Linie Sörings Intellekt benutzt hat, seinen Wissensdurst und seine Lust am Lesen, um ihm zum Christentum und schliesslich zum Katholizismus zu führen. In den frühen Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts, als der Kinofilm „The Last Temptation of Christ“ eine grosse Kontroverse hervor rief, bestellte Söring umgehend den ursprünglichen Roman. Zu seinem grossen Erstaunen fand er in dieser fiktionalen Geschichte das Portrait eines Jesus als „komplexen Menschen, der litt, zweifelte und mit seinem Schicksal haderte, so wie ich gelitten, gezweifelt und mit meinem Schicksal gehadert hatte.“ Er wollt mehr erfahren, deshalb bestellte er das Neue Testament. Er fand grossen Gefallen am Johannes-Evangelium. Um die gleiche Zeit herum fiel ihm eine Zeitschrift mit Fotografien vom Teleskop der Raumsonde Hubble in die Hände. Während er beim Betrachten eine geheimnisvolle, diesen Bildern innewohnende Kraft wahrnahm, erlebte er „eine Art Gotteserscheinung“ wobei er die Worte von Johannes verstand, dass „Gott Liebe ist“ mittels der Existenz einer „universellen anziehenden Kraft“, in der „wir leben und uns bewegen und unser Dasein haben.“
 
Söring suchte dann die Hilfe eines Geistlichen, den er im Gefängnis kennen gelernt hatte und den er bewunderte, den Pfarrer Beverly Cosby. Durch Cosbys Anregung, der selbst das ‚Centering Prayer’ praktizierte, las Söring Henri Nouwen, Dietrich Bonhöfer und Thomas Keatings Bücher über ‚Centering Prayer’. Während dieses Such- und Leseprozesses traf er auf eine katholische Bibel mit Randbemerkungen, welche seinen hervorragenden Intellekt ansprach. Er setzte seine Suche fort, indem er Bibelkommentare und die Texte von katholischen Theologen las, welche er in Bezug auf die Heilige Schrift „richtiger“ fand, als andere Autoren, die er zuvor gelesen hatte.

Aber es dauerte bis zum Winter im Jahr 2000, als er eine besonders „dunkle Nacht“ erlebte, bis er wahrhaftig dazu bereit war, sich zu öffnen, den Heiligen Geist hinein zu lassen und das ‚Centering Prayer’ zu praktizieren.

Einige Zeit nachdem er mit dieser Methode begonnen hatte, wurde er in ein Gefängnis einer geringeren Sicherheitsstufe verlegt, wo er zum ersten Mal Zugang zu religiösen Angeboten hatte. Seine erste Begegnung mit einem katholischen Priester und die stille Schönheit der Messe stimmten überein mit seinem Erleben des Heiligen Geistes während des ,Centering Prayer’ und überzeugten ihn davon, dass dies der richtige Weg für ihn sei. Schliesslich begann er das RCIA Programm (‚Rite of Christian Initiation of Adults’ ist der Prozess der Aufnahme Erwachsener in die katholische Kirsche) mit einem katholischen Mitgefangenen als Paten und wurde an Ostern 2002 in die Kirche aufgenommen.
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